Lagerbestand systematisch senken

Auf Basis der aktuellen Branchenvergleichszahlen von BESTgroup haben die Unternehmen in Deutschland auf lange Sicht ihre Lagerbestände nicht gesenkt. Nur in Ausnahmefällen kann über mehrere Jahre eine Reduzierung der Bestandsreichweite verzeichnet werden.

Mögliche Ursachen für das Ansteigen des Lagerbestands

Die langjährigen Zahlen zeigen im Trend, dass die Lagerbestandsreichweiten in allen Teilbereichen Material-, Umlauf- und Fertigfabrikatebestand nach oben steigen. Obwohl mindestens seit 15 Jahren über Supply Chain Management geredet wird, ist an den Lagerbestandszahlen keine Reduzierung ersichtlich. Also sind die Ansätze entweder nicht oder nicht richtig implementiert oder andere Effekte führen zu einem weiteren Anstieg.

Meine Theorie ist, dass SCM nicht richtig gelebt wird und dass deshalb andere Effekte zu einem Anstieg führen.

1. Variantenvielfalt

Die steigende Produktvariantenanzahl führt zu einer höheren Komplexität in den Unternehmen, und in der Regel zu mehr Material auf allen Stufen in der Supply Chain. Kundenbestell- und Produktions- bzw. Beschaffungslosgrößen sind nicht aufeinander ausgerichtet. Da sich mit der Einführung von zusätzlich Produktvarianten die Stückzahlen nur linear steigen, während die Varianten exponentiell steigen, sinken die durchschnittlichen Losgrößen. Damit sinken die Chancen, dass die Produktionslosgrößen mit den Kundenbestellgrößen synchronisiert sind – es gibt mehr Lagerpositionen und die durchschnittliche Lagerauffüllmenge bleibt konstant, der durchschnittliche Lagerbestand steigt weiter.

2. Zeit

Eine wesentliche Größe für die Lagerbestandshöhe ist die Wiederauffüllzeit – also die Wiederbeschaffungs- oder Eigenfertigungszeiten. Bei einer Reduzierung dieser Zeiten kann der Lagerbestand nachhaltig nach unten gehen. Im Moment gehen aber auf den Märkten die Wiederbeschaffungszeiten nach oben und die Eigenfertigungszeiten verlängern sich, u.a. wegen der hohen Kapazitätsauslastung.

3. IT Systeme

Die Parameter in den Systemen sowie schlecht gepflegte Stammdaten führen zu einem systemgesteuerten Anstieg von Beständen.

4. Falsche Optimierung

In vielen Unternehmen wird die wirtschaftliche Losgröße berechnet. Leider sind die Voraussetzungen, die der wirtschaftlichen Losgrößenformel zugrunde liegen, in vielen Unternehmen nicht mehr gegeben. Viele Unternehmen können nicht mehr von einer Gleichmäßigkeit des Bedarfs, von unendlichen Kapazitäten oder den anderen Randbedingungen ausgehen.

Lagerbestand senken – aber richtig

Für eine nachhaltige Lagerbestandssenkung ist ein tiefgreifendes Umdenken erforderlich. Es geht nicht um ein einmaliges kurzfristiges Senken der Bestände, wie es üblicherweise zum Geschäftsjahresende zu verzeichnen ist, sondern um eine Veränderung der Prozesse. Nur mit geänderten Prozessen, die zu kürzeren Wiederauffüllzeiten und kleineren Losgrößen bei nicht veränderten Herstellkosten führen, lassen sich die Lagerbestände reduzieren. Für viele Unternehmen bedeutet dies eine deutliche Prozessveränderung in allen Bereichen der Supply Chain. Dabei sind – ja nach Zielsetzung – sehr radikale Veränderungen erforderlich, um die Ziele zu erreichen.

Erstaunlich ist, dass die eigentlich widersprüchlichen Ziele kleinere Losgrößen, kürzere Durchlaufzeit und niedrigere Bestände sich in vielen Fällen einvernehmlich lösen lassen. Allerdings ist in vielen Unternehmen ein massiver Wandel erforderlich. Die Unternehmen haben es bisher nicht geschafft, diesen Wandel umzusetzen – sonst würden die Bestände im Mehrjahresvergleich sinken. Deshalb ist für eine Bestandssenkung häufig externe Unterstützung erforderlich, um die internen Denkblockaden aufzubrechen und neue Wege einzuführen. Nach der oben zitierten Studie und den Auswertungen müssen durchschnittliche Maschinenbauunternehmen ihren Bestand halbieren, um die Branchenbestleistungen zu erreichen.  Für eine externe Unterstützung können Sie gerne mich kontaktieren.

Lagerbestand senken oder optimieren?

In vielen Unternehmen wird derzeit wieder über den Lagerbestand diskutiert. Während er für einige immer noch zu hoch ist, ist der Bestand für andere derzeit nicht hoch genug. In dieser Zeit des massiven Anstiegs ist die Frage, ob ein Unternehmen den Lagerbestand vorhält, um kurzfristig liefern zu können.

Ist der Lagerbestand zu hoch und zu niedrig?

Die Frage ist sicherlich richtig gestellt. Die Erfahrung zeigt, dass die Lagerbestände pro Position bei einigen Artikeln zu hoch sind und das in Folge in Summe der Lagergesamtbestand zu hoch ist, während bei einigen Artikeln der Lagerbestand zu niedrig ist. Typisches Kennzeichen einer derartigen Situation sind hohe Lagerbestände und trotzdem Materialversorgungsprobleme oder schlechte Liefertreue – also klare Hinweise auf eine falsche Lagerstruktur oder falsche Prozesse.

Unternehmen mit einem hohen Reduzierungsdruck arbeiten häufig daran, dass bei einigen schnelldrehenden Artikeln der Lagerbestand zu niedrig wird, weil hier schnelle Änderungen möglich waren. Wenn die Wiederbeschaffungszeiten – wie während dieser Zeiten bei einer stark gestiegenen Nachfrage – nach oben gehen, treten Versorgungsprobleme auf, der Lagerbestand reicht nicht aus. Die Bewertung ist: Der Lagerbestand ist zu niedrig und die Senkung in der Vergangenheit war falsch. In meinen Augen war die Senkung falsch, weil die Einflussgrößen auf den Lagerbestand nicht geändert wurden und so die Senkung nicht nachhaltig beibehalten werden kann.

Das Problem ist nicht die Höhe des Lagerbestands sondern das Richtige im Lager zu haben

Um es kurz zu sagen: Der Lagerbestand kann beliebig niedrig sein, wenn genau die Teile und Produkte dort vorhanden sind, die für die nächsten Tage benötigt werden. Leider ist die Versorgungspipeline einerseits nicht stabil und andererseits durch Losgrößen und viele Störungen gekennzeichnet. Eine genaue Vorhersage, wann die Waren tatsächlich benötigt werden, ist nicht möglich, die Reaktionszeiten in der Prozesskette zu lang. Und so entsteht das Problem von fehlender Lagerverfügbarkeit und auf der anderen Seite zu hoher Lagerbestände der falschen Produkte.

Die Variantenvielfalt in der Produktion, hohe Losgrößen und Transportmengen sind ein Grundproblem bei der Versorgungssicherheit. Deshalb entstehen häufig Bestände, die nicht benötigt werden und deshalb immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik stehen.

Was ist zu tun?

Ein Unternehmen muss definieren, wie es mit den externen und internen Lieferanten arbeiten will, um eine Versorgungssicherheit zu erreichen. Entweder durch Supply Chain Planung oder durch einen Lieferplan. Auf alle Fälle muss die Versorgung (Menge und Termine) mit den Lieferanten abgestimmt sein.

Es ist für die ERP-Systeme eminent wichtig, dass die Wiederbeschaffungszeiten aktuell gepflegt werden, da sonst die Disposition nicht funktionieren kann. Ein Unternehmen, dass seine Wiederbeschaffungszeiten nicht vernünftig kommuniziert, riskiert, seine Kunden zu verlieren, weil ein anderer Wettbewerber pünktlicher liefern kann.

In Summe ist in meiner Beobachtung immer noch die Bewertung, dass der Lagerbestand in Summe zu hoch ist. Einzelne Positionen sind zu niedrig, aber in den meisten Fällen ist nicht das richtige im Lager. Wenn bei der Bestandsreichweite im SAP für einen Artikel der Wert 999 für eine unendliche Reichweite steht, ist der Lagerbestand für diese Position sicherlich zu hoch. Wenn für viele Positionen die Reichweite zu hoch, ist schnell der Lagerbestand in Summe zu hoch. Deshalb heißt es, mit klaren Prioritäten zu klären, an welchen Stellen der Lagerbestand anzugreifen ist.

Nur ein Reduzieren von Beständen ohne eine Veränderung von Prozessen oder Strukturen hilft nicht, da dies nur in meinen Augen eine Lagerbestandskosmetik ist, aber nicht eine bleibende Reduzierung aufgrund veränderter Rahmenbedingungen. Deshalb bedeutet eine dauerhafte Senkung der Lagerbestände auch eine deutliche Veränderung der Prozesse und Strukturen.

 

 

Studie – Was sind die erfolgreiche Ansätze zur Lagerbestandssenkung?

In einer Kurzstudie untersucht die Unternehmensberatung BESTgroup derzeit die Möglichkeiten und Herangehensweisen zur Reduzierung des Lagerbestands für produzierende Unternehmen und den Handel. Daraus sollen Handlungsempfehlungen für die Unternehmen aufgebaut werden, um ein systematisches Lagerbestandssenken zu ermöglichen.
Lagerbestände senken ist eine Hauptaufgabe für viele Logistikverantwortliche. Unterschiedliche Unternehmen haben mit ihren jeweiligen Ansätzen viele Erfolge erzielt. Viele Ergebnisse sind nicht nachhaltig, das Lagerbestandsenken steht in vielen Unternehmen regelmäßig auf der Agenda.
Die Studie besteht aus einer Abfrage im Internet und ist in ungefähr 10 Minuten zu beantworten. Dazu sind außer einigen wenigen Zahlen (Umsatz, Lagerbestand, Herstell- oder Beschaffungskosten) zur Bewertung der Lagerdaten Fragen zu den wichtigsten Elementen des Lagermanagements und zu den Ansätze zur Lagerbestandsreduzierung zu beantworten.
Der Link zu der Umfrage kann unter hier abgerufen werden.

Bestandsreichweite verringern – Lagerbestand senken

In vielen Unternehmen ist und bleibt die Höhe des Lagerbestandes ein viel diskutiertes Thema: Aus Liquiditätsgründen soll der Bestand so gering wie möglich sein, aus Vertriebsgründen so hoch wie möglich, damit schnell geliefert werden kann, und für die Produktion sind hohe Materialbestände hilfreich, damit die Materialverfügbarkeit gegeben ist. Das Management kennt allerdings nur eine Diskussion: Den Lagerbestand senken.

Bestandsreichweite als Messgröße für den Lagerbestand

In vielen Unternehmen hat sich die Bestandsreichweite als Messgröße für den Lagerbestand eingebürgert. Die Standardformel ist einfach:

10 Millionen Bestand * 365

40 Millionen Verbrauch

ergibt eine Bestandsreichweite von 91,25 Kalendertagen.

Hier lassen sich schon verschiedene Ursachen für verschiedene Werte darstellen. Wird in Kalendertagen oder nur in Arbeitstagen gemessen? Wird der Bestand auf einer Lagerstufe oder für alle Lagerstufen gemessen? Wird der Verbrauch bezogen auf den Umsatz oder auf die Herstellkosten verwendet.

Nutzung von Kalendertagen

Für eine einfache Betrachtung ist die Darstellung mit Kalendertagen einfacher und nachvollziehbarer: Wenn in dem obigen Beispiel die Lagerstruktur richtig wäre, könnte ein Zaun für ein Viertel Jahr um das Lager gestellt werden, und es müsste kein Material nachbestellt werden.

Betrachtung aller Lagerstufen

Im Unternehmen werden alle Lagerstufen zusammengefasst, wenn die Bestandsreichweite betrachtet wird. Nur so kann ermittelt werden, wieviel Bestandswert insgesamt erforderlich ist, um den Verbrauch (und auch nur den Verbrauch, der das Unternehmen verlässt und nicht den Verbrauch pro Lagerstufe) zu bewerten. In einem kürzlich betrachteten Fall ergab sich der Faktor 4 zwischen der Bestandsreichweite bezogen auf den externen Verbrauch und der Reichweite bezogen auf die Verbräuche über alle Lagerstufen. In dem Benchmark mit anderen Unternehmen würde das Unternehmen von Best-In-Class auf einen schlechten Durchschnittsplatz fallen.

Bezug auf Herstellkosten

Da der Lagerbestand in der Regel zu Herstell- oder Einstandskosten bewertet wird, ist der Verbrauch auch nach der gleichen Größe zu berechnen, damit nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. In den Umsatzkosten sind noch zusätzliche Elemente enthalten, die natürlich die Bestandsreichweite rechnerisch nach unten drücken…

Bei richtiger Berechnung sind die Bestandsreichweiten zu hoch – Hilfe, was kann ich tun, um den Lagerbestand zu senken?

Häufig ergibt sich bei der Berechnung des Lagerbestands nach den oben stehenden Maßgaben viel zu hohe Bestandsreichweiten – und dann muss – wie auch in anderen Fällen bei zu hohem Lagerbestand reagiert werden. Dazu sind verschiedene Analysen erforderlich, die nun den Lagerbestand sinnvoll überprüfen. Häufig ergibt sich jedoch ein Hauptansatzpunkt neben einer typischen Lagerbereinigungsaktion: Zeiten reduzieren, da durch eine kürzere Reaktionszeit der Bedarf für ein Lager massiv verringert werden kann. Dazu müssen alle Elemente in der Prozesskette vom Auftreten des Bedarfs bis zur Einlagerung betrachtet werden. Dazu gibt es verschiedene Maßnahmen, die in Summe einen erheblichen Effekt bringen können.

Wenn auch Sie den Lagerbestand systematisch reduzieren wollen, dann können Sie uns gerne kontaktieren.

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