Prozesse richtig verbessern

4. April 2009

 

In den aktuellen Monaten stehen in Prozessverbesserungen im Vordergrund, um Kosten zu senken oder Bestände zu senken. Viele Unternehmen betrachten alle Prozesse und erhalten eine Liste von Veränderungsmöglichkeiten. Aber was soll getan werden? Sollen die Ausführungs- oder Planungsprozesse geändert werden? Oder die Steuerung der Prozesse? Oder muss gar die Überwachung verbessert werden?

Ebenen zur Prozessverbesserung

Prozesse lassen sich auf vier Ebenen verbessern:

  • Planung: Dimensionierung der Ressourcen für die Zukunft
  • Steuerung: Priorisierung, Zeitliche Reihenfolgefestlegung, Ablaufdefinition
  • Ausführung: Durchführung der Prozess-Schritte
  • Überwachung: Überpüfen des Erfolgs der Ausführungs-, Steuerungs- und Planungsebene

Die meisten Unternehmen können mit dieser einfachen Klassifizierung die Probleme eindeutig beschreiben, die verbessert werden sollen. Wenn die Prozesse unpünktlich ausgeführt werden, weil die Bearbeitungskapazität fehlt, sind in der Regel Planungsprobleme zu lösen, weil die Ressourcen nicht in der richtigen Kapazität zur Verfügung stehen.

Wenn die Auslastung schwankt, die Prozesse zwischenzeitlich zu hohe Pufferbestände aufweisen, dann sind häufig die Regeln zur Steuerung die Ursache für die Probleme. Angefangen bei falschen Parameter-Einstellungen im Steuerungssystem bis zu komplett falschen Steuerungsphilosophien lassen sich unterschiedliche Gründe für Fehlleistungen finden.

Wenn die Qualität der Prozessergebnisse sehr stark schwankt, dann ist in vielen Fällen der Prozess nicht standardisiert oder nicht beherrscht. Hier sind effektive Qualitätsverbesserungsmaßnahmen und Schulungsmaßnahmen erforderlich.

Powerpoint und Email reicht nicht zur Prozessverbesserung

Nach der Ursachenanalyse und Definition der Maßnahmen kommt der Hauptschritt bei der Verbesserung: Die Umsetzung. Dieser Punkt wird am meisten unterschätzt. Es dauert in der Regel länger, einen neuen Prozess bei allen Beteiligten umzusetzen, als ihn zu definieren. Aber in vielen Projektplänen ist die Umsetzung nach meiner Erfahrung zu kurz eingeplant. Wenn der Prozess einmal dokumentiert ist, ist er bei vielen Unternehmen schon eingeführt. 

Die vielen Probleme in den Prozessen werden bei solchen Prozess“verbesserungen“ nicht gelöst, es besteht die Gefahr, dass die Verbesserung zur Paperware in Berichten und Vorstellungen wird. Umsetzungsberatung bedeutet, nicht einen neuen Prozess per Email mit Powerpoint-Anlage zu versenden, sondern mit allen Beteiligten die neuen Prozesse zu diskutieren, die Änderungen erklären und den Beteiligten Hinweise und Anregungen zu geben, wie die neuen Prozesse in der Praxis allen Beteiligten nutzen.

Unterschätzen Sie den Aufwand für eine erfolgreiche Umsetzung nicht. Es wird sehr häufig nur ein Lippenbekenntnis als Umsetzung beschrieben. Hier ist tiefgreifende Veränderungsarbeit gefragt – und dafür brauchen Sie Experten, die schon viele Veränderungen umgesetzt haben.


Die Business Process Buchstaben-Suppe (BPMN, BPEL, XPDL, YAWL, BPDM)

15. Juli 2008

Jede Diskussion zum Geschäftsprozessmanagement führt schnell zur Datenverarbeitung. Bei den Gesprächen mit den DV-Spezialisten kommen sofort die Buchstabengeschosse BPMN, BPEL, XPDL, BPDM oder YAWL auf einen zugeflogen.

  • Bedeutet eine Optimierung von Prozessen eine Implementierung in Software? Nein!
  • Helfen die oben genannten Abkürzungen bei einer Optimierung? Vielleicht!

Ich glaube, Prozessoptimierung heißt zunächst den Gesamtprozess zu verbessern, dann den vereinfachten Prozess so einfach wie möglich mit EDV zu realisieren.

Lösen wir zunächst die erweiterte Buchstaben-Suppe auf:

§
Das folgende Bild hilft, die Konzepte etwas einzuordnen:
Übersicht über BPM Konzepte

Übersicht über BPM Konzepte

Workflow-orientierte Beschreibung

Während YAWL sich auf die Beschreibung von Workflows und deren Ausführung konzentriert, sind die prozessorientierten Methoden stärker beschreibungslastig (BPMN, BPDM, XPDL) oder ausführungslastig (BPEL).

Beschreibungs-orientierte Prozessbeschreibung

Obwohl die Prozessnotation (BPMN) den Aufbau und Inhalt von Prozessbeschreibungen als Konzepte vorgibt, hat BPMN kein standardisiertes Datenformat für die Beschreibung. Jedes Prozessbeschreibungswerkzeug, dass die Elemente von BPMN benutzt, beschreibt BPMN, allerdings kann kein anderes Programm ein nach diesem Standard gespreicherte Datei lesen, weil es dafür kein Dateiformat gibt.

Mit XPDL oder BPDM soll dieses Manko wettgemacht werden: In XPDL ist ein XML-Format definiert, mit dem BPMN-Konstrukte nach einer festgelegten Syntax beschrieben und abgelegt werden können. Auch BPDM ist XML-basiert und kann so zur Beschreibung genutzt werden.

Ausführungs-orientierte Prozessbeschreibung

BPEL wird für die Beschreibung der Prozessausführung, hauptsächlich von Programmen und Webservices verwendet. Damit können mit einer XML-basierten Datenstruktur komplette Abläufe dokumentiert werden.

Fazit: Prozessbeschreibung ist komplex und die zahlreichen Buchstabenkombinationen helfen dem Endanwender wenig

Nur wenige nicht DV-Spezialisten können mit der Buchstabensuppe etwas anfangen. Geschäftsprozesse werden nicht nach Implementierungen (z.B. dem BPEL für Webservices) definiert, sondern sollen einem Unternehmen helfen, die Unternehmensziele zu erreichen. Die zahlreichen Standards unterlegen, dass unterschiedliche Interessengruppen es nicht geschafft haben, ihre Konflikte im Sinne des Anwenders zu lösen: Es gibt keine anwendungsorientierte, standardisierte Prozessbeschreibung! Und die erarbeiteten Prozessbeschreibungen müssen anschließend von IT-Spezialisten umgesetzt werden.
Als Anwender von Prozessbeschreibungen fordere ich die Beteiligten auf: Es fehlt ein anwendbarer Standard, der auf das Erreichen von Unternehmenszielen ausgerichtet ist. Wenn ein derartiger Standard entwickelt ist, werden auch viele Softwareanbieter diesen Standard nutzen, weil die Kunden danach fragen. Daher sollte ein von den Anwendern definierter Standard erarbeitet werden, ohne den Einfluss der IT-Anbieter. Wenn dieser Standard definiert werden soll, ich bin dabei!