Produktentstehung – Prozessmanagement oder Projektmanagement?

In der Produktentwicklung wird immer wieder über die Probleme beim Projektmanagement geklagt. Viele Projekte laufen nicht richtig, und alle Projektmanagement-Werkzeuge versagen: Das Projektmanagement-Programm zeigt den Projektplan und warum welche Verschiebung welche Auswirkung hat. Es fehlen Ressourcen, um das Projekt erfolgreich durchzuführen. Der Projektleiter hat die Verantwortung für die Ergebnisse, aber nicht die Mittel, um das Projekt zu managen.

Also muss das Projektmanagement im Unternehmen verbessert werden. Richtig oder falsch? Für viele Unternehmen ist die Antwort richtig. Ich meine, es geht nicht um die Verbesserung des Projektmanagements alleine, sondern der Prozess der Produktentstehung muss besser beherrscht werden.

Nach der Definition ist ein Projekt ein einmaliges Unterfangen mit hohen Unsicherheiten. Auch wenn jedes Projekt ein anderes Produkt als Ergebnis hat – die Ausführung ähnelt sich von Mal zu Mal, genauer gesagt, es wird immer wieder ein sehr ähnliches Vorgehen gewählt, d.h. es geht um einen wiederholbaren Prozess, der an unterschiedliche Aufgaben angepasst werden kann. Es muss nicht zu jedem Produktentwicklungsprojekt ein komplett neuer Projektplan erstellt werden, sondern es kann ein generelles Vorgehen (alias Prozess) definiert werden, der die Basis für die Projektplanung im Einzelfall darstellt. Statt jedes Mal neu zu planen, kann der Standardprozess in einen Projektplan umgewandelt werden und dann an die Aufgabenstellung angepasst werden, vom erforderlichen Aufwand bis an die erforderlichen Zeiten.

Nur wenige Unternehmen haben einen Standardprozess so definiert, dass er an unterschiedliche Projekte angepasst werden kann. Aber diese Unternehmen haben keine Probleme mit dem Projektmanagement, sondern mit der Ausführung. Planung, Steuerung und Kontrolle lassen sich mit dem Standardprozess vereinfachen – und wenn der Prozess nicht passt, kann der Prozess weiterentwickelt werden.

Wenn der Prozess einmal erarbeitet wird, reduzieren sich viele Projektmanagement-Probleme, weil Sie einmal vorgedacht wurden. Die Erarbeitung – so zeigen meine Projekterfahrungen – ist schwierig, weil selten die Prozesse genau genug bekannt sind, um die Abhängigkeiten zu beschreiben. Hier können erfahrene Berater helfen, Wichtiges von Umwichtigem zu trennen und die Erarbeitung zu beschleuinigen sowie andere Erfahrungen einzubringen. Wenn Sie weitere Fragen dazu haben, melden Sie sich bei mir.

Über Torsten Becker
Geschäftsführer der BESTgroup Consulting & Software GmbH http://www.bestgroup.eu, Autor des Buches Prozesse in Produktion und Supply Chain optimieren , Springer-Verlag, Berlin.

2 Responses to Produktentstehung – Prozessmanagement oder Projektmanagement?

  1. Es gibt aus meiner Sicht eine wesentliche Ausnahme, wann ein „Produktentstehungsprojekt“ nicht in einen Prozess überführt bzw. die Produktentwicklung bewusst als Projekt durchgeführt werden muss: wenn man gewohnte Denkbahnen und -raster verlassen will. Entsprechend sollte die Projektstruktur dann so gewählt werden, dass das Projektteam gezwungen ist, Abteilungs- und Fachgebietsgrenzen zu überwinden.

    Für die Vielzahl der Produktentwicklungen hat das nur bedingt Relevanz. Aus Effizienzgründen ist dann ein Prozess besser geeignet. Je mehr die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle im Vordergrund steht, desto interessanter wird die Durchführung als Projekt.

  2. Je höher der Wiederholgrad, desto besser ist natürlich der Prozess geeignet. Wenn es sich um wirkliche Sonderprojekte handelt, dann kann ein Projektmanagement geeignet sein. Dennoch, der Grundprozess – Machbarkeit – Konzept – Entwicklung – Erprobung – Vorbereitung – Produktion – kann als Metaprozess hier eine wichtige Steuerung geben

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