Planung und Steuerung in der Supply Chain – Was ist der Unterschied?

In vielen Supply Chain Projekten kommen schnell Diskussionen auf, wenn über die Begriffe Planung und Steuerung gesprochen wird. Dabei werden sehr viele unterschiedliche Ansichten vertreten, die natürlich nicht zu einer gemeinsamen Interpretation.

In vielen Projekten ist somit in Diskussionen nicht klar, wann von Planung und wann von Steuerung gesprochen wird – die Verwirrung ist perfekt.

Definition von Planung und Steuerung in der Supply Chain

In der Supply Chain Planung werden Planinformationen betrachtet, d.h. es werden nicht nur die vorliegenden Aufträge, sondern auch Kundenschätzungen, Vertriebsschätzungen, Vorhersagen, Prognosen oder andere unsichere Informationen verwendet. Mit der Planung werden Kapazitäten dimensioniert und geprüft, ob die geplante Absatzmengen und die Produktstruktur mit den verfügbaren Kapazitäten abgedeckt werden können. D.h. es wird der mögliche Kundenbedarf (ohne Restriktionen) zunächst vom Vertrieb erfasst und dann mit den Kapazitäten und deren Verfügbarkeit abgestimmt. Ergebnis dieses Schrittes ist eine Grobaussage: Ja, wenn die Aufträge wie geplant kommen, kann die Supply Chain die Aufträge problemlos abwickeln. Oder es gibt Engpässe in den Bereichen X,Y und es sind folgende Maßnahmen erforderlich: Überstunden, Sonderschichten, Verlängerung der Lieferzeiten. Zur Planung werden alle vorhandenen Auftragsdaten verwendet, und diese werden um Planwerte oder Schätzungen ergänzt.

In der Steuerung werden Aufträge betrachtet, die aus konkreten Kundenaufträgen stammen. Hier werden Reihenfolgen und Prioritäten festgelegt und die Aufträge zu bestimmten Zeitpunkten den Ressourcen zugeordnet. Wenn die Planung richtig war und die Ergebnisse im ERP-System abgebildet waren, ist die Aufgabe der Steuerung einfach. Wenn es Abweichungen gibt, ist zu klären, ob die geplante Dimensionierung prinzipiell richtig ist oder ob die Planung überarbeitet werden muss.

Kurzgesagt findet die Steuerung mit Aufträgen und die Planung mit ergänzten Vorhersagen statt. Beide Prozesse haben unterschiedliche Betrachtungshorizonte und Eigenschaften. Aus der Planung werden die Handlungsrichtlinien für die nächsten Monate abgeleitet, in der Steuerung wird in den Leitplanken der Planung im konkreten Auftragsfall gearbeitet.

Mit dieser Unterscheidung können Planungs- und Steuerungsaktivitäten getrennt werden.

Nutzen in der Supply Chain

Mit einer funktionierenden Planung kann sichergestellt werden, dass ERP-Systeme, wie SAP, mit einer unbegrenzten Kapazitätseinlastung problemlos funktionieren können. Mit einer monatlich rollierenden Planung können Konflikte vermieden werden und frühzeitig gelöst werden. Nicht erst im Auftragsfall, sondern früher können zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden.

Ergebnis sind häufig deutlich niedrigere Kosten und eine höhere Termintreue. Mit der gleichen Mannschaft können mehr Aufträge abgewickelt werden oder mit minimalen Differenzinvestitionen deutliche Verbesserungen erreicht werden.

Über Torsten Becker
Geschäftsführer der BESTgroup Consulting & Software GmbH http://www.bestgroup.eu, Autor des Buches Prozesse in Produktion und Supply Chain optimieren , Springer-Verlag, Berlin.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: