Welche Losgröße ist in der Supply Chain richtig?

Wenn man den Diskussionen in den Unternehmen und im Netz folgt, ist keine Losgröße richtig:

  • Losgröße 1 ist unwirtschaftlich.
  • Der Kunde bestellt in einer zu kleinen Losgröße, die nicht wirtschaftlich hergestellt werden kann.
  • Die Losgröße bei der Produktkalkulation ist höher als die durchschnittliche Kundenlosgröße.
  • Die Lieferanten können nur in einer bestimmten Mindestlosgröße liefern, sonst fallen Mindermengenzuschläge an.

Faktisch hat die Losgröße in den Unternehmen eine wichtige Auswirkung auf alle Bereiche der Supply Chain: Je größer die Losgröße, desto höher die Auftragsdurchlaufzeit, desto länger die Lieferzeit, desto höher der durchschnittliche Lagerbestand, desto höher die Kapitalbindung.

Wenn die Losgrößen groß werden, können Kundenaufträge nicht rechtzeitig beliefert werden, weil die Maschinen belegt sind, um die notwendigen Losgrößen für eine wirtschaftliche Fertigung herzustellen.

Vor dem Hintergrund steigender Variantenvielfalt entsteht ein großes Dilemma: Da die Variantenvielfalt meistens exponentiell wächst, während der Umsatz nur geringfügig steigt, sinken die Losgrößen immer stärker und häufig unter die in der Kalkulation angesetzten Werte. Die Komplexität führt zusätzlich noch zu steigenden Kosten.

Supply Chain Optimierung bedeutet Losgrößen verringern

Mit jeder Losgrößenbildung auf einer Supply Chain Stufe entsteht der Peitschen(Bullwhip)-Effekt: Eine kleine Veränderung in der Vorstufe führt zu einer hohen Verwerfung in der Stufe davor, durch Losgrößeneffekte auf jeder Ebene kann sich der Effekt potenzieren.

Deshalb ist eine schnell reagierende Supply Chain darauf ausgerichtet, möglichst kleine Losgrößen wirtschaftlich herstellen zu können. Das Ziel einer erfolgreichen Supply Chain Optimierung ist die Verringerung von Losgrößen. Dafür müssen alle Einmaleffekte in der Supply Chain optimiert werden: Vom Einkauf, über den Transport bis hin zur Produktion und Lieferung.

An allen Stellen muss geklärt werden, wie die Losgrößen verringert werden können. Dazu gehören Abstimmungen mit den Lieferanten, Änderungen in der Belieferung und im internen Transport sowie ein Verringern von Losgrößen oder die Einführung von One-Piece-Flow-Lösungen. Für die One-Piece-Flow-Lösung können auch andere alternativen gesucht werden. Wichtig ist, dass ab einem möglichst späten Kundenvarianteneinfluss die Produktion mit einer möglichst kundenbedarfsnahen Losgröße wirtschaftlich produziert werden kann. Dazu sind alle bisherigen Annahmen auf den Kopf zu stellen – ein massives Umdenken ist erforderlich.

Die Losgröße 1 (Eins)

Die Losgröße 1 ist eine langfristige Vision für viele Unternehmen. Eigentlich ist sie ein Synonym für die bedarfsgerechte Produktion, und die sollte eingeführt werden, und zwar möglichst nah am Lieferprozess an den Kunden, in der Regel in der Endmontage oder in den letzten Fertigungsschritten. In den internen Schritten, z. B. in der Vormontage oder in der Teilefertigung, können Losgrößeneffekte zu Kostenoptimierungen führen.

Was ist zu tun?

Für die Optimierung der Supply Chain ist ein Umdenken erforderlich. Das geht durch alle Bereiche und betrifft alle Beteiligte. In vielen Unternehmen ergibt sich ein Prozessmusterwechsel – Loslassen einer automatisierungsgetriebenen Produktion, bei der durch hohe Investitionen direkte Personalkosten gespart werden, und  Aufnehmen einer Gesamtkostenoptimierung in den direkten und den indirekten Bereichen. Häufig ist dazu externe Unterstützung erforderlich, wie sie die BESTgroup bietet.

Über Torsten Becker
Geschäftsführer der BESTgroup Consulting & Software GmbH http://www.bestgroup.eu, Autor des Buches Prozesse in Produktion und Supply Chain optimieren , Springer-Verlag, Berlin.

One Response to Welche Losgröße ist in der Supply Chain richtig?

  1. Pingback: Industrie 4.0, die “Losgröße 1” und das Showroom Konzept 4.0 | Michael Reiniger [Beratung-Internet-Gestaltung]

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