Globale Supply Chain Verschiebungen als Zulieferunternehmen managen

In einem aktuellen Artikel im Wallstreet Journal wird über die Auswirkungen der Nokia-Absatzprobleme auf die Lieferanten berichtet. Dabei sind durch den Stückzahleinbruch massive Absatzprobleme bei den europäischen Lieferanten aufgetreten, während die aktuellen Marktführer in anderen Regionen und mit anderen Hauptlieferanten produzieren. Zulieferunternehmen stehen vor mehreren Problemen

1. Regionale Verschiebungen betrachten

2. Mengenverschiebungen beobachten

3. Langfristige Trends im Auge behalten

4. Lösungen entwickeln

Regionale Verschiebungen von Produktionen

Durch die Verschiebung von Produktionen nach Fernost werden europäische Zulieferunternehmen mit einem Produktionsschwerpunkt in Europa immer wieder überrascht, wie schnell sich – durch Markttrends und Produktflops überlagert – Produktionen zwischen den globalen Produktionsregionen verschieben. Wenn Nokia Stückzahlen weltweit verliert, verlieren auch die Zulieferer. Die Wettbewerber Samsung und Apple haben ihre Stärke u.a. in der Eigenentwicklung von Chips und vergeben entweder – wie Apple – die gesamte Wertschöpfung nach außen oder haben eine höhere eigene Fertigungstiefe (Samsung).

Der Markt wird immer stärker global mit einem Schwerpunkt der Elektronikproduktion in Asien. Mit steigender Miniaturisierung der Produkte wird ein Transport der Endprodukte immer billiger – vieles kann in einem Niedriglohnland hergestellt werden, wenn die Variantenanzahl niedrig ist.

Mengenveränderungen beobachten

Als Zulieferunternehmen ist es einfach, da die Mengenentwicklung von den Kunden vorgegeben ist. Dabei sind nicht nur die kurzfristigen Zahlen für die nächsten Wochen und Monate, sondern auch die langfristige Aussicht bei dem Kunden zu betrachten. Für ein Zulieferunternehmen ist es eine besondere Herausforderung, auf Spitzenlasten und auf Marktabschwünge schnell reagieren zu können. Ein Zulieferunternehmen sollte sowohl schnell die Stückzahlen um 20% und mehr steigern können, als auch ein Konzept in der Tasche haben, wie ein Stückzahlabbau um 30% ohne aufwändige Kosten abzudecken ist. Viele Unternehmen entdecken in Krisenzeiten, wie teuer ein Markt im Sinne von Marktaustrittsbarrieren ist.

Langfristige Trends im Auge behalten

Für eine strategische Absicherung ist es aber immer stärker erforderlich, die Mengenveränderung bei den Kunden des Kunden zu beobachten. Wenn der Endkunde lieber Apple, HTC und Samsung kauft und deren Marktanteile steigen, dann ist es wichtig, bei diesen Wachstumsträgern gut im Geschäft zu sein, als bei einer Firma, die mit einem fallenden Marktanteil kämpft. Hier gilt es, Markttrends zu beobachten und darauf frühzeitig zu reagieren.

Lösungen entwickeln

Während früher die Märkte stabiler waren, bedeutet die heutige höhere Volatilität: Entweder schnelle Reaktionsfähigkeit des Unternehmens auf Mengenschwankungen einzelner Kunden oder die Flexibilität, auf Marktmengenschwankungen schnell zu reagieren oder Lösungen entwickeln, die das Unternehmen von den Kundenschwankungen stärker unabhängig macht.

Eine breite Belieferung vieler Kunden auf Basis eines eigenen standardisierten Baukasten ist ein Weg zu einer erfolgreichen Zulieferoption. Dabei kann der Baukasten sowohl produkt- als auch produktionsprozessorientiert aufgebaut sein.

Aufgaben

Langfristig bedeutet dies für das Zuliefergeschäft eine Neuorientierung. Statt nur einen Kunden zu gewinnen, ist es wichtig, durch Technologieführung im Markt unabhängiger von den einzelnen Kunden zu werden. Für die Zuliefer-Unternehmen heißt dies eine strategische Ausrichtung der Produktentwicklung und Supply Chain Prozesse.

Über Torsten Becker
Geschäftsführer der BESTgroup Consulting & Software GmbH http://www.bestgroup.eu, Autor des Buches Prozesse in Produktion und Supply Chain optimieren , Springer-Verlag, Berlin.

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