Reshoring – Der neue Hype?

In den letzten Monaten steigt die Anzahl der Publikationen zum Thema Reshoring in den amerikanischen Medien an. Nach der Studie von Boston Consulting Group erwägen zahlreiche Firmen in den USA, die Produktion zurück nach Amerika zu holen. Als Gründe werden zunehmend die steigenden chinesischen Lohnkosten, die erwarteten jährlichen Lohnkostensteigerungen von 13% in China und die steigenden Transportkosten genannt. Es werden zahlreiche Beispiele von GE bis zu kleineren Firmen genannt, die nach USA erfolgreich zurückverlagert haben.

Ein wesentlicher Problempunkt ist die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften. Derzeit wird auf das gute deutsche Ausbildungsniveau in der Produktion und das hohe Ansehen der Arbeit in der deutschen Gesellschaft verwiesen. So werden Volkswagen, Siemens und Bosch in einem Artikel als Beispiele genannt, die das deutsche Ausbildungssystem nach Amerika bringen.

Was bedeutet das Thema Reshoring für Deutschland?

Auch aus Deutschland sind zahlreiche Produktionen in Niedriglohnländer verlagert worden. Auch wenn die deutsche Küste vergleichsweise kürzer als die amerikanische Küste ist und die meisten Transporte per LKW aus den osteuropäischen Nachbarländern kommen, die steigenden Transportkosten und die steigenden Lohnkosten bleiben auch für deutsche Unternehmen ein Thema.

Unternehmen mit Produktionen in Niedriglohnländern sollten prüfen, ob die Produktionen sich dort lohnen und bei welchen Lohn- und Transportkostenverschiebungen sich die Produktionsstätten nicht mehr rechnen. Es ist zu prüfen, ob nicht durch andere Möglichkeiten Produktionen durch Automatisierung zurückgeholt werden können. Es ist wichtig, die Zahlen einmal zu dokumentieren und regelmäßig, z.B. in der jährlichen Strategiedurchsprache auf den Prüfstand zu stellen. Bei der Betrachtung gehören die Kosten im Niedriglohnland zur Schließung und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften mit zu Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen.

Ich würde es nicht komplett ausschließen, dass einige Produkte wieder nach Deutschland geholt werden können, bei denen die Gesamtkosten in Deutschland niedriger sind als die Gesamtkosten in Niedriglohnländern.

Die zweite Stufe: Verschiebung von Bedarfen und zusätzliche Investitionen

Das Thema Reshoring hat für die exportorientierte deutsche Wirtschaft erhebliche Verschiebungen zur Folge. Einige Kunden werden ihre Bedarfsorte von China nach USA verschieben, mit einigen Spitzen in der Nachfrage vor und nach der Verlagerung. Zusätzlich werden Investitionsgüter, insbesondere zur Produktionsunterstützung, z.B. Lager und Transporteinrichtungen, weiter im Bedarf steigen. Mittelfristig können einige Unternehmen wieder anfangen, Bedarfe in Amerika zu sehen, die dort – wegen der Verlagerungen nach China – selten geworden waren.

Fazit

Es kann sich lohnen, den „Global Footprint“ kritisch zu hinterfragen.  Dazu gehört: Nicht nur den unmittelbaren Effekt sehen, denn es wird zusätzliche Bedarfe und Bedarfsverschiebungen geben. Die Unternehmen, die sich schneller anpassen können, werden weiter auf der Überholspur bleiben, es wäre wünschenswert, wenn die deutsche Industrie davon profitieren könnte.

Über Torsten Becker
Geschäftsführer der BESTgroup Consulting & Software GmbH http://www.bestgroup.eu, Autor des Buches Prozesse in Produktion und Supply Chain optimieren , Springer-Verlag, Berlin.

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