Informationseffekte statt Stückzahleffekte – Economies of information?

Wir sind alle im Informationszeitalter angekommen. Telefon, Computer, PC, internet, Smartphone und Tablet: Informationen sind heute überall und fast sofort verfügbar.

Das Industrialisierungszeitalter hat uns Stückzahleffekte gebracht. Mit den Economies of Scale sind die Produkte sind billiger geworden, neue Arbeitsplätze entstanden und die Welt hat an Lebensqualität gewonnen – wir müssen unseren Lebensschwerpunkt nicht mehr nach der Versorgung mit Nahrungsmitteln ausrichten.

Seit vielen Jahren ist mit den Computern und dem Internet das Informationszeitalter ausgerufen worden. Wenn wir uns kritisch fragen, was hat das Informationszeitalter gebracht und was sind die Effekte der Informationen auf unser Leben, dann sind die Antworten eher mau. Zuerst und am lautesten sind die Kritiker: Wie häufig hören wir von gescheiterten oder arg verspäteten Softwareprojekten und wie häufig hören wir das Wort Datenpanne oder Softwarefehler?

Neben diesen negativen Schlaglichtern müssen wir aber auch uns Gedanken machen:

  • Was sind die Effekte des Informationszeitalters?
  • Wie werden Economies of Information die Economies of Scale ablösen?

In den folgenden Absätzen werde ich die Informationseffekte

Bild zu Vertrauen, Verfügbarkeit, Geschwindigkeit

Informationseffekte

  • Geschwindigkeit
  • Vertrauen
  • Verfügbarkeit

diskutieren.

Geschwindigkeit als Informationseffekt

Ein wesentlicher Effekt des Informationszeitalters ist die Beschleunigung von Transaktionen. Früher war ein Brief aus dem Ausland Wochen unterwegs und eine Antwort hatte Zeit, da eine Verzögerung immer auf den Transportweg zurückführbar war. Mit der Ankunft der Fax-Übertragung wurde die Antwortzeit auf einen Tag reduziert, denn die Übertragungszeit in Sekunden und mit Ankunftsbestätigung führte zu einer Erwartungshaltung, dass die Antwort innerhalb von 24 Stunden beim Absender ankommt. Die Email hat die Erwartung für die Antwort auf einen Zeitraum weniger Stunden reduziert. In vielen Fällen sind innerhalb eines Arbeitstages mehrfach ein Informationsaustausch möglich.

Das gleiche gilt auch für Supply Chain-Prozesse. Mit dem E-Commerce hat sich bei vielen Verbrauchern die Einstellung durchgesetzt, dass heute bestellt in vielen Fällen am nächsten Tag geliefert bedeutet. Daraus leiten sich hohe Anforderungen an die Abwicklungsgeschwindigkeit bei Unternehmen an. Die schnellen Unternehmen fordern auch die gleiche Liefergeschwindigkeit von ihren Lieferanten. Durch ERP- und Supply Chain Management-Systeme sind die Unternehmen in der Lage, kurzfristig Aussagen zur Lieferfähigkeit zu treffen und die Prozesse im Unternehmen zu beschleunigen.

Die Informationssysteme haben uns somit viel Wartezeit erspart, das Leben ist dadurch auch schnelllebiger geworden.

Vertrauen als Informationseffekt

Mit mehr Informationen kann ein besseres Vertrauen geschafft werden. Wenn ein E-Commerce-Händler ständig Auskunft über den Auftragsstatus bietet und Benachrichtigungen zum Arbeitsfortschritt sendet, dann wächst das Vertrauen des Bestellers. Mit erhöhtem Vertrauen ist mehr Umsatz in der nächsten Zeit möglich.

Wenn ein anderes Unternehmen nicht im gleichen Maß informiert, wächst das Misstrauen. Ich habe mich selbst beobachtet, dass ich wegen fehlender Informationen – angekündigter Liefertermin wird nicht eingehalten, neuer Liefertermin kann nicht angegeben werden – das Vertrauen verloren habe und Aufträge storniert habe. 

Das Senden von Informationen baut Vertrauen, auch wenn die Informationen teilweise negativ sind. Wichtig ist aber, dass eine verlässliche Information über die nächsten Schritte gegeben wird.

Die Informations- und Kommunikationssysteme ermöglichen es uns, mit Daten und Informationen Vertrauen aufzubauen. 

Verfügbarkeit als Informationseffekt

Informationen sind heute für alle überall verfügbar. Die Suchmaske von Google erschließt uns viele Informationen, die veröffentlicht sind. Öffentliche Informationen helfen uns, unsere Entscheidungen zu verbessern und unser Wissen abzurunden. Smartphones gestatten uns, die Informationen überall abzurufen und nicht nur am Schreibtisch den Wissensvorsprung zu erzielen.

In vielen Unternehmen sind nur ein Teil der Informationen verfügbar. DIe Unternehmenssysteme bieten eine Vielzahl von Daten, aber der Zugang ist beschränkt. In welchen Unternehmen gibt es eine interne Suchmaschine, in der ein Mitarbeiter eine Begriff eingibt, und die dann alle Informationen zu diesem Begriff gibt: Anfragen, Marketingunterlagen, Konstruktionsunterlagen, Stücklisten, Auslegungsdaten, Auftragshistorien oder Projekterfahrungen, also Informationen aus den verschiedenen EDV-Systemen an einer Stelle. Auch die Speicherung und Auswertung von Informationen hat mit den Analytics-Ansätzen nur einen ersten Ansatz gemacht. Viele Daten, die in den Unternehmen schlummern, könnten durch moderne Auswerte-Ansätze wachgeküsst werden und zu erheblichen Mehrwert der Beteiligten führen.

Die Verfügbarkeit von Information kann Entscheidungen verbessern. Wir müssen uns daran gewöhnen, mehr Informationen besser zu verarbeiten, um die Informationsflut zu unserem Vorteil zu nutzen.

Zusammenfassung

Die Informationseffekte

  • Geschwindigkeit,
  • Vertrauen und 
  • Verfügbarkeit

haben einen wesentlichen positiven Einfluss auf die Lebensqualität gebracht und können für die Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil darstellen. Bessere Informationen führen zu zufriedeneren Kunden und damit langfristig zu mehr Umsatz.

Die „Jederzeit und Überall“-Verfügbarkeit der Information hat auch negative Seiten. Emails werden während der gesamten Nicht-Schlafens-Zeit bearbeitet, im Urlaub führen Handy und Laptop zu einer ständigen Erreichbarkeit – die Arbeit hat sich spürbar verdichtet.

Unternehmen können die Effekte aus der Verfügbarkeit von Informationen weiter steigern. Bessere Suchmaschinen, Daten für Prognosen, Datenfortschreibung aus der Vergangenheit und Datenanalysen sind in den produzierenden Unternehmen in der Regel Stiefkinder. Wenn mit Informationen in der Produktion genauso viel Geld verdient werden könnte, wie mit der Informationsanalyse im Bereich der Aktien- oder anderer Finanzmärkte, vielleicht würden wir dann statt der Finanzmathematiker auch die Prozess- oder Supply Chain-Mathematiker bekommen. Diese Berufsgruppe könnte dann auch die Informationseffekte für Unternehmen und Prozesse schaffen, die ähnliche positive Effekte wie die Stückzahleffekte der Industrialisierung auf die Wirtschaftlichkeit haben. 

Das Informationszeitalter ist angekommen, aber meiner Meinung nach fehlen uns die Economies of Information – Informationseffekte. Obwohl die Stückzahleffekte in der Industrialisierung nicht sofort gekommen sind, die Effekte Geschwindigkeit, Verfügbarkeit und Vertrauen könnten dazu führen, dass wir schneller zu den Informationseffekten kommen. 

Über Torsten Becker
Geschäftsführer der BESTgroup Consulting & Software GmbH http://www.bestgroup.eu, Autor des Buches Prozesse in Produktion und Supply Chain optimieren , Springer-Verlag, Berlin.

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