Lagerbestand reduzieren und Liefertreue erhöhen – trotz Globalisierung?

Die Bestände steigen in vielen Unternehmen immer mehr. Wenn ich die Ergebnisse der Benchmarkstudie BESTlogistics betrachte, dann stelle ich ein ständiges Verschlechtern der Best-In-Class-Leistungen bei der Bestandsreichweite fest, d.h. der Lagerbestand steigt. Bei Diskussionen mit Supply Chain Experten stellt sich als Ursache für den höheren Lagerbestand immer wieder das Thema Globalisierung heraus. Auf der anderen Seite höre ich immer mehr Beschwerden über eine schlechte Liefertreue. Auch hier die Begründung: Wegen der Globalisierung haben wir Schwierigkeiten mit der Teileversorgung.

Effekt der Globalisierung auf die Bestände

Die Globalisierung hat zwei Effekte auf die Bestände

  • Für eingekauftes Material aus Niedriglohnländern steigt die Bestandsmenge, weil die Wiederbeschaffungszeiten wegen des Seetransports aus Asien oder längerer Transportstrecken aus Osteuropa steigen und die Lagerbestände eine höhere Sicherheit abpuffern müssen
  • Für Fertigprodukte nimmt die Komplexität der Verteilung zu. Die Produkte müssen in mehr Länder verschifft werden und es werden mehr lokale Läger in fernen Ländern benötigt.

Je stärker die Globalisierung in Einkauf und Verkauf genutzt wird, desto höher werden die Bestände. Gleichzeitig steigen die Sicherheitsbestände, weil die Prozesse immer unsicherer werden. Insbesondere Zollprozesse können zusätzliche Zeitpuffer erforderlich machen, die dann zu längeren Wiederbeschaffungszeiten oder höheren Sicherheitsbeständen führen.

Kombiniert mit einer steigenden Variantenvielfalt und damit einer höheren Schwankungen der Bedarfe je Variante ergibt sich für viele Unternehmen ein negativer Effekt auf die Bestände.

Stellhebel zum Reduzieren des Lagerbestands

Früher gab es die Logik, dass mehr Lagerbestand zu einer höheren Versorgungssicherheit führt. Wegen der steigenden Variantenvielfalt und der damit einhergehenden höheren Schwankungen der Bedarfe lässt sich dieses Vorgehen nicht weiter durchführen.

Der größte Stellhebel auf die Bestände ergibt sich, wenn eine Bestandsstufe entfallen kann. Im Extremfall ist das die Fertigproduktstufe, d.h. es wird nur auftragsbezogen endmontiert, möglichst in Fließproduktion. Oder es werden Zwischenstufen eliminiert. Ziel ist in allen Bereichen, die interne Reaktionszeit zu reduzieren, damit schneller auf die schwankenden Kundenbedarfe reagiert werden kann.

Wenn die Preissituation es erfordert, in fernen Ländern einzukaufen, dann müssen die Produktstrukturen überprüft werden. Standardisierung und Modularisierung sind wesentliche Einflussgrößen, um die Bedarfsschwankungen zu reduzieren und damit den Bedarf der Einkaufsteile zu stabilisieren.

Und was ist mit der Liefertreue?

Wenn die internen Reaktionszeiten kürzer werden, steigt prinzipiell auch die Liefertreue, wenn die Kapazitäten ausreichen. Daher ist es wichtig, die Kapazitäten für die Zukunft richtig zu dimensionieren. Ein hoher Auftragsrückstand ist Gift für eine schnelle Reaktion und es sind zahlreiche Maßnahmen zu starten, um Bedarf und Kapazität abzugleichen

Fazit

Kürzere Lieferzeiten mit niedrigeren Beständen und höherer Liefertreue sind möglich, aber erfordern in der Regel eine massive Veränderung in der Supply Chain. Aber nur mit Veränderungen lassen sich Verbesserungen erreichen. In vielen Unternehmen wird der Aufwand dafür derzeit noch gescheut. Vorreiter können hier noch erhebliche Wettbewerbsvorteile erzielen.

Über Torsten Becker
Geschäftsführer der BESTgroup Consulting & Software GmbH http://www.bestgroup.eu, Autor des Buches Prozesse in Produktion und Supply Chain optimieren , Springer-Verlag, Berlin.

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