Von der Logistik 1.0 zur mobilen Industrie-Logistik 4.0

Die Logistikdienstleister sind Vorreiter für mobile Datengeräte mit ihren Track&Trace-Lösungen. Diese Anwendung wird im Industrie 4.0-Hype häufig als Beispiel für die Logistik genannt. Für mich ist das kein Industrie 4.0: Obwohl diese Lösungen Informationen zugänglich machen, sind sie weder firmenübergreifend noch überall mobil verfügbar.

So sieht eine logistikorientierte Industrie 4.0-Vision: Der Juniorchef eines Unternehmens prüft auf seinem Handy den Liefertermin für einen Anlagenauftrag. Nach der Lagerbestandsprüfung checkt das ERP-System 4.0 automatisch für jede offene Bestellungen online den jeweiligen Auftragsstatus bei den globalen Lieferanten ab und errechnet daraus einen aktualisierten Anliefertermin. Unter Berücksichtigung von Verzollungszeiten und Transportkapazitäten prognostiziert das System einen Eintrefftermin je fehlender Bestellung. Falls diese Termine für die termingerechte Produktion ausreichen, bleibt der Liefertermin zum Kunden bestehen. Andernfalls wird der eigene Liefertermin korrigiert, die Bedarfe neu terminiert und die Lieferanten über neue Anliefertermine informiert. Der Juniorchef erhält auf seinem Mobiltelefon eine belastbare Terminaussage und kann sich über Verursacher von Terminverschiebungen informieren.

Ein solches System funktioniert nur, wenn eine Integration von Informationen im Unternehmen sichergestellt ist und die Informationen nahtlos über Unternehmens-, Logistikdienstleister- und Behördengrenzen ausgetauscht werden.

Softwareangebote für cyber-physische Systeme (CPS), Industrie 4.0-Speak u.a. für mobile Computer mit Sensorik, entstehen nach einer Studie der BESTgroup nur für Anwender mit mehr als 500 Mitarbeitern. Vermutlich entwickeln die Anbieter unternehmensspezifische Anwendungen. Während diese Anwender dem Mobilcomputing eher kritisch entgegenstehen, werden die scheinbar mehr technologieaffinen Anwender in kleinen Unternehmen von den Anbietern ignoriert. Denn diese benötigen dringend Unternehmensübergreifendes, das eine höhere Komplexität erfordert und ohne Finanzierung entstehen muss.

Netzwerkeffekte bewirken den Nutzen des Internets und Economies of Information. Für die Industrie-Logistik 4.0 muss sich stärker der Netzwerkgedanke etablieren, es sind Netzwerkprojekte für die innovationsfreudigen KMUs zu begünstigen. Unternehmensspezifische Industrie 4.0-Leuchtturmprojekte dürfen meiner Meinung nach keine Förderung erhalten.

Industrie 4.0 Lösungen in Logistik erfordern Netzwerkprojekte mit Kleinunternehmen, Forschern und Entwicklern. Die großen Fachvereinigungen und Industrieverbände sind gefordert, visionäre Akteure aus dem Mittelstand und deren unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in Netzwerken fördern. Damit es auch morgen noch sowohl für die Industrie als auch die neu entstehenden Mobilapplikationsentwickler heißt: Mit Logistik 4.0 kräftig einsparen und Wettbewerbsvorteile erzielen.

Über Torsten Becker
Geschäftsführer der BESTgroup Consulting & Software GmbH http://www.bestgroup.eu, Autor des Buches Prozesse in Produktion und Supply Chain optimieren , Springer-Verlag, Berlin.

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