In meinem letzten Beitrag habe ich über Supply Chain Planning geschrieben. Nun bekam ich die Frage, was versteht man unter Sales & Operations Planning (S&OP) und Integrated Business Planning (IBP)? Was ist der Unterschied, was sind Gemeinsamkeiten? Zunächst sind beides mögliche Lösungsansätze, hinter denen unterschiedliche IT-Werkzeuge stehen.
Sales & Operations Planning
Dieser Prozess ist in vielen Unternehmen etabliert. Es gibt eine Abstimmung zwischen Vertrieb und Produktion, bei dem festgelegt wird, was in das typischerweise monatliche Produktionsprogramm aufgenommen wird. Dieses Produktionsprogramm wird verabschiedet und wird als Produktionsplan in das ERP-System übertragen. Dazu werden – unter Berücksichtigung der bestehenden Aufträge – Vorplanbedarfe eingestellt. Mit den Bedarfen kann dann die Materialversorgung sichergestellt werden.
Wichtiges Kennzeichen ist die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, große Schwachstellen sind der fehlende Umfang – es findet keine Lagerbestands-, sondern nur eine Versorgungsplanung – und die fehlende Berücksichtigung von Lieferantenkapazitäten. Auch Produktionskapazitäten werden
Die bestehenden IT-Tools zum S&OP unterstützen diese Planung sehr gut. Gerade das Thema Vertriebsprognose lässt sich mit den Werkzeugen sehr gut unterstützen. Die Entwicklung eines Vertriebsplans über mehrere Vertriebsorganisationen ist leicht möglich, das System kann mit Datenaufbereitung und Trendberechnungen unterstützen.
Integrated Business Planning
Mit der integrierte Unternehmensplanung, wenn man IBP übersetzt, wird ein unternehmensweiter Plan abgestimmt, der Kundennachfrage, Angebot und Unternehmens- und Zulieferressourcen abgleicht. Ziel ist es, für alle Beteiligten den gleichen Plan als Basis für die Handlungen zur Verfügung zu stellen und durch die Synchronisierung eine bessere Kundenbelieferung zu erreichen. Insbesondere die Berücksichtigung von Kapazitäten in Produktion und bei den Lieferanten ist wichtig.
Die bestehenden IT-Tools für IBP unterstützen diese Aufgaben. Analog zu S&OP wird die Nachfrage bestimmt. Abhängig von den Tools werden unterschiedliche Constraints berücksichtigt, z.B. Lieferanten- und/oder Produktionskapazitäten. Einige Tools unterstützen auch die Planung von Beständen, auch auf unterschiedlichen Distributionsstufen.
Gemeinsamkeiten
Beiden Ansätzen sind zwei Dinge gemeinsam:
- Entscheidungsunterstützung
- Produktionsprogramm
Diese Prozesse sind Entscheidungsunterstützungsprozesse. D.h., mit einem koordinierten Ablauf können die Daten schnell erfasst und aufbereitet werden, um dann auf einer Managementebene Entscheidungen zu treffen. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist ein abgestimmter Ablauf über mehrere Abteilungen einzuhalten, der an einem gemeinsamen Terminplan ausgerichtet ist.
Gleichzeitig ist das Ergebnis von beiden Prozessen ein Produktionsprogramm, das in die Ausführungssysteme zu übertragen sind, typischerweise die ERP-Systeme.
Unterschiede
Beim S&OP werden Zulierferrestriktionen und z.T. die Produktionskapazitäten nicht betrachtet. Gerade in der aktuellen Fehlteilsituation ist das sicherlich schwierig. Diese infinite Betrachtung ist für einen Grobplan manchmal ausreichend, langfristig jedoch nicht zielführend.
Beim IBP wird ein Gesamtplan erstellt, der typischerweise auch Marketingaktionen zur Erhöhung des Bedarfs und andere umsatzsteigernde Maßnahmen anstoßen kann und gleichzeitig aber deutlich verlässlicher ist, weil er auf einem besseren Informationsstand aufgebaut ist. Das Produktionsprogamm ist verlässlicher. Dafür ist der Aufwand der Erstellung deutlich höher und erfordert eine größere Koordinierung von Aktivitäten.
Der IBP Prozess ist in vielen Unternehmen die Folge von unzureichenden S&OP Prozessen.
Aggregation als Unterstützung
Der gemeinsame Plane wird auf der Verdichtungsebene erstellt, die für alle beteiligten Geschäftsfunktionen erforderlich ist. Dazu wird häufig eine aggregierte Planungsebene geschaffen, auf deren Basis die unterschiedlichen Informationen zusammengefasst werden können. Mit den IT-Systeme lassen sich eine aggregierte Planungsebene auf eine detailliertere Ebene aufsplitten und umgekehrt.
Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Verdichtungsebene zu finden und diese Ebene über alle Abteilungen zu etablieren. Die unterste Detailebene ist die Produktnummer, darüber können Informationen auf Produktgruppen oder Produktfamilien in einer oder mehrerer Stufen verdichtet werden. Wenn die Vorhersagen vom Vertrieb erstellt werden, ist es einfacher für fünf Produktgruppen die Zahlen zu erstellen, als für 200 Produktnummern, die dahinterstehen. Das zu entwickelnde Planungsmodell ist wichtig und hilft erheblich.
Vorteil der IT als Unterstützung
Die IT-Lösungen bieten umfangreiche Hilfeleistungen an, die Planungen deutlich vereinfachen. Das Berechnen von Forecasts basierend auf verschiedenen Prognoseverfahren, die Berücksichtigung von Kapazitätsgrenzen, die zeitliche Ablaufberechnung sind alles Hilfsmittel, die mit EDV-Unterstützung einfacher zu erreichen sind als mit manuellen Hilfsmitteln. Die Berechnung komplexer Zusammenhänge ist die Stärke der Rechner und dies hilft auch bei der Planung. Mit den richtigen Algorithmen kann über die Zeit die Vorhersagegenauigkeit massiv gesteigert werden. Nutzen Sie also für die Supply Chain Planung alle Unterstützung der IT, die möglich sind.
Umsetzungsempfehlung
Ein bekanntes Sprichwort sagt: Planung heißt den Zufall durch Irrtum ersetzen. Da aber ein Plan besser ist als mehrere Pläne oder gar kein Plan, ist es wichtig, diese Pläne aufzubauen.
Wichtig für die Planung ist ein gutes Planungsmodell mit relevanten Verdichtungsstufen, mit dem relevante Ergebnisse erzielt werden. Daneben ist es wichtig, die Planungsqualität zu verfolgen, auf der geplanten Verdichtungsebene, um für die Planer ein Feedback zur Planungsgenauigkeit zu geben.
Wenn noch keine Planung besteht, ist es gut, zunächst einen ersten Prozess, eventuell auch nur mit einer Excel-Unterstützung, einzuführen und erste Erfahrungen zu sammeln. So kann das Planungsmodell einfach optimiert werden. Wenn das Modell prinzipiell funktioniert, dann kann eine erste IT-Lösung für den S&OP-Prozess eingeführt werden, die möglichst einfach zum IBP im nächsten Schritt ausgebaut werden kann. S&OP ist meiner Meinung nach nur eine Übergangslösung.Wichtig für die Umsetzung ist meiner Meinung nach eine IT-System-unabhängige Beratung mit Erfahrung in der Supply Chain Planung, wie z.B. die BESTgroup.