Was ist wichtiger: Prozessoptimierung oder Digitalisierung?

DigitalisierungEiner meiner Kunden fragte mich neulich: Was ist der Zusammenhang zwischen Prozessoptimierung und Digitalisierung. Da musste ich etwas durchatmen und mir fiel spontan das Zitat des BITKOM-Präsidenten Thorsten Dirks vom IT-Gipfel 2015 in Berlin ein:

Wenn sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben sie einen scheiß digitalen Prozess

Schon Professor Walter Eversheim vom Werkzeugmaschinenlabor(WZL) der RWTH Aachen pflegte zu sagen:

Erst systematisieren, dann automatisieren.

Oder mit den Worten anderer:

Organisation vor Technik.

Während die Deutschen früher das Wort Organisation in die Bereich Aufbauorganisation und Ablauforganisation unterteilt haben, steht hinter dem englischen Begriff Organisation lediglich die Aufbauorganisation. Erst mit dem Business Process Management sind viele Bereiche der Ablauforganisation in das englische und amerikanische Managementgedankengut eingeflossen. Der Begriff ist dann als Prozessmanagement nach Deutschland zurückgekehrt und die zugehörige Optimierung in die Prozessoptimierung eingeflossen.

Digitalisierung

Man kann ja im Moment keine Fachzeitschrift aufschlagen, ohne ständig über das Wort Digitalisierung zu stolpern. Der Begriff umfasst viele Inhalte: Big Data, Industrie 4.0, Internet, um nur einige zu nennen.

Was bedeutet die Digitalisierung für die Unternehmen:

  1. Überprüfen des Geschäftsmodells (Strategische Digitalisierung)
  2. Nutzung der Digitalisierung im Unternehmen zur Optimierung (Taktische Digitalisierung)

Für das Überprüfen des Geschäftsmodells ist zu prüfen, ob das digitale Geschäftsmodell des Unternehmens in Gefahr ist. Können neue Wettbewerber mit mehr digitalem Know how die Produkte oder Dienstleistungen obsolet machen? Kann ein neues Geschäftsmodell  entstehen, z.B. Pay-per-Use, das die Grundlagen für das Unternehmen verändert?

Uber hat nicht ein einziges Taxi, revolutioniert derzeit den Taxi- oder eigentlich den Mobilitätsmarkt, AirBnB hat kein einziges Bett, aber den Übernachtungsmarkt nachhaltig verändert. Gibt es einen Marktteilnehmer, der mit einem anderen Geschäftsmodell auch Ihr Modell obsolet machen kann?  Diese strategisch relevanten Diskussionen sind ein Teil der Digitalisierung.

Der andere Teil der Digitalisierung ist taktische Ausführung: Prozesse sind zu automatisieren, die neuen Funktionen der Technik – ständige Verfügbarkeit, einfache Bedienung, Ortsinformationen – sind in die Betrachtungen der Optimierung mitaufzunehmen. Das Internet, die Cloud und Big Data sind einige Lösungen, die auch zu berücksichtigen sind.

 

Digitalisierung und Prozesse

Digitalisierung hat für mich 2 Schritte:

  1. Überprüfung der strategischen Digitalisierung
  2. Überprüfung der taktischen Digitalisierung

Die strategische Digitalisierung ist zunächst der wichtigste Schritt. Für ein neues Geschäftsmodell werden neue Prozesse erforderlich, deshalb ist es wichtig, sich über die strategische Dimension im Unternehmen einig zu sein.

Die taktische Digitalisierung ist aber nun nachrangig. Denn zunächst sind die Prozesse zu optimieren und dann zu digitalisieren. Ansonsten entstehen die oben beschriebenen Probleme, das ein nicht optimaler Prozess auch durch Digitalisierung nicht besser wird.

Fazit

Somit ergibt sich für mich folgender Ablauf für das Thema digitale Prozesse.

  1. Strategische Digitalisierung
  2. Prozessoptimierung
  3. Taktische Digitalisierung

Solange das bestehende Geschäftsmodell durch die Digitalisierung nicht in Gefahr ist, ist die Prozessoptimierung wichtiger als die Digitalisierung. Die Digitalisierung wird aber weiterhin wichtiger werden, da digitale Prozesse höhere Effizienzen ermöglichen. Allerdings erfordert die taktische Digitalisierung sehr viel mehr Fachwissen als das Entwickeln von neuen Geschäftsmodellen,  weshalb Standardlösungen in diesem Bereich schwieriger werden kann.

Der nächste Blogbeitrag wird sich mit der Prozessoptimierung und der taktischen Digitalisierung detaillierter beschäftigen.

Gute Supply Chain Vorsätze 2016

Ein neues Jahr! Und haben Sie schon neue Vorsätze für die Supply Chain 2016 gefasst?

Hier sind meine Top 3 Vorschläge für die Vorsätze für dieses Jahr:

Lieferzeit halbieren

Mit kürzeren Lieferzeiten können Sie Ihren Wettbewerber erhebliche Probleme bereiten. Zeit ist Geld, besser gesagt Umsatz, und in vielen Bereichen führen kürzere Lieferzeiten zu mehr Umsatz. Prüfen Sie alle Bereiche, von der Auftragsannahme bis zur Lieferung, einschließlich des Transports. Wenn Amazon nun in Deutschlang mit dem Same-Day-Delivery-Konzept beginnen kann, zeigt das, wie wichtig die Zeitkomponente geworden ist.

Bestände um ein Drittel reduzieren

Bestände sind immer im Fokus. Nur gut funktionierende Supply Chains haben geringe Bestände, da Bestände typischerweise das Spiegelbild der Fehler der Prozesse und der Vergangenheit sind. Zu viel eingekauft, weil der Mindestbestellwert zu hoch war. Die Produktion hat zuviel geliefert, weil die Maschine so gut lief. Die Planung war falsch, und wieder waren Produkte im Lager. Falsche Prozesse führen auch zu vielen Beständen. Nur eine radikale Neubewertung führt zu einer substantiellen Bestandsreduzierung. Und es geht nicht um die Höhe der Abwertung, sondern um die Reduzierung der Bestandsmengen – dann geht der Bestandswert von alleine nach unten…

Liefertreue erhöhen

Die Liefertreue ist eine wichtige Bewertung der Prozesszuverlässigkeit Ihrer Supply Chain. Jeder Prozentpunkt Verbesserung kann eine deutliche Bestätigung von Prozessverbesserungen sein. Diese Kennzahl ist genauso wichtig wie die Lieferzeit und ist für die Kunden extrem wichtig. Sie definiert, wie groß das Vertrauen Ihres Kunden wird.

Vorsätze umsetzen

Was müssen Sie tun, um die Vorsätze umzusetzen? Fokus mach fit, wie es so schön heißt. Viele dieser Ansätze sind radikaler, als Sie es sich wünschen. Eventuell können Sie dazu ein paar externe Augen zur Diagnose oder Umsetzungsunterstützung gebrauchen? Melden Sie sich, z.B. bei der BESTgroup….

2015 – Das Blog Prozessoptimierung in der Jahresübersicht

Vielen Dank an alle Leser!

Jahresrückblick von WordPress.

 

Supply Chain Trends für 2016

Die Supply Chain ist als operative Prozesskette für wichtige Kundenleistungen verantwortlich: Liefertreue, Durchlaufzeit und Bestände. Auch im Jahr 2016 werden Unternehmen an der Optimierung der Supply Chain arbeiten. Meine Vorhersage für die aktuellen Trends in der Supply Chain sind diese Themen

  • Die steigende Globalisierung wird weiter Bestände in der Supply Chain treiben
  • Viele ERP-Systeme sind in die Jahre gekommen, sie unterstützen die Supply Chain weiterhin nur unzureichend
  • Höhere Produktkomplexität wird zu weiterer Supply Chain Komplexität führen
  • Industrie 4.0 Lösungen und Ansätze werden verstärkt eine neue Gestaltung der Supply Chain erfordern
  • Die meisten Unternehmen werden es auch in 2016 nicht wagen, ihre Prozesse in Richtung einer durchgängigen Supply Chain zu optimieren.

Globalisierung

Durch die Nutzung von Lieferquellen aus Niedriglohnländern steigen die Zuliefermengen, da es sinnvoller ist, komplette LKWs oder Container zu liefern statt bedarfsgerecht zu liefern. Die Bestände der letzten Bestandsstudien von BESTgroup zeigen die steigenden Niveaus.

Der Trend mag sich umkehren, wenn z.B. die Arbeitsteilung wieder auf frühere Stände zurückgefahren wird. So wird in der Textilindustrie beobachtet, dass die Produktion nach Afrika verlagert wird, um die Baumwolle vom Feld bis zu fertigen Produkt ohne viele Transporte zu realisieren.

ERP-Systeme

Supply Chain heißt Pull, ERP-Systeme sind klassische Push-Systeme. Auch wenn die Systeme stärker in Richtung einer auftragsgedeckten Produktion orientiert sind, passen sie nicht zu den Gedanken der Supply Chain, die ein ereignisgesteuertes System beschreibt.

Die Probleme in den ERP-Systeme können nicht durch einen Austausch bestehender EDV-Systeme gelöst werden. Einerseits nutzen viele Unternehmen ihre Systeme mit falschen Stammdaten nur unvollkommen, andererseits sind die Systeme nicht wirklich Supply Chain orientiert aufgebaut. Die klassischen Planungsalgorithmen stammen in ihren Ursprüngen aus den sechziger Jahren, die Technik ermöglicht heute eine Ausführung. Es fehlt die Innovation in den Berechnungsalgorithmen, die eine Fortentwicklung der ERP-Systeme bedeuten würde.

Komplexität

Mit dem steigenden Druck zur Individualisierung steigen die Anforderungen an die Supply Chain immens. Die Abwicklung von Aufträgen muss effizienter werden, da die Stückzahlen nicht steigen, aber die Kosgrößen rapide sinken. Ziel muss es sein, Komplexität in der Supply Chain dort zu reduzieren, wo sie für den Kunden nicht relevant ist.

Industrie 4.0

Neue Lösungen in der Produktion versprechen eine höhere Automatisierung. Nur wenn die Automatisierung mit einer deutlichen Reduzierung der Rüstkosten einhergeht und so kleine Losgrößen wirtschaftlich abbilden kann, wird dieser Lösungsansatz zu einer Verbesserung der Supply Chain beitragen.

Fehlender Mut zur Supply Chain Neuorganisation

Dieses Thema zieht sich von Anfang an durch die Supply Chain Diskussion hindurch: Supply Chain Neuorganisation bedeutet Transformation, Transformation erfordert Mut. Viele Supply Chain Projekte scheitern, weil es an Mut für die radikale Umorientierung fehlt. Damit wird in vielen Unternehmen nicht die optimale Supply Chain umgesetzt und Kundenorientierung in der Prozesskette weiter vernachlässigt.

3D-Druck alias Additive Manufacturing – Quo vadis?

3D Druck oder additive Fertigungsverfahren sind in aller Munde. Mit einem 3D-Drucker kann jeder x-beliebige Produkte herstellen, die seinen Bedarf direkt erfüllen. Die Industrie 4.0-Revolution fordert Produktionseinrichtungen, wie sie die additiven Fertigungsverfahren darstellen: Aus digitalen Daten werden beliebige Werkstücke für die reale Welt geschaffen. Daten plus 3D-Drucker ergeben persönliche Freiheiten. Und gleichzeitig ändert sich die gesamte Wertschöpfungskette.

Aktueller Leistungsstand von 3D Druckern

Die aktuellen 3D-Drucker können beliebige Produkte aus den unterschiedlichsten Materialien herstellen. Vom einfachen Kunststoffteil bis zum aufwändigen Metallteil – es gibt ein Vielzahl von Produktionsverfahren mit sehr unterschiedlichen Leistungsstufen.

Wie unterscheiden sich aktuelle additive Produktionsprozesse von den allgemeinen Vorstellungen und dem aktuellen Marketing-Hype?

  • Die Produktion dauert sehr lange – Werkstückzeiten in Stunden sind keine Seltenheit
  • Die Oberflächenqualität ist nicht sehr gut – Eine Nacharbeit ist bei Teilen, die Personen sehen, sehr angebracht
  • Die Fertigungsgenauigkeit ist gut, aber noch nicht sehr gut – Viele Laser können keine Teile unter 30 Mikrometer Strukturgröße abbilden
  • Das Material ist sehr teuer – Der Faktor Zehn zu konventionellem Material
  • Die Maschinen sind sehr teuer – Eine gute Maschine für die Herstellung von Metallteilen ist schnell teuerer als eine halbe Million

Es gibt wenige Teile, bei denen die Herstellung mit derartigen Verfahren günstiger ist als die Herstellung mit konventionellen Verfahren. Die hohen Investitionskosten, die langen Laufzeiten und die hohen Materialkosten führen zu erheblichen Problemen in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.

Additive Fertigung – Wo lohnt der Einsatz heute?

Derzeit lohnt die additive Fertigung, wenn folgende Randbedingungen zu treffen

  • Eine geometrische Änderung ist möglich
  • Bionische Strukturen reduzieren Gewicht
  • Es sind Zusatzfunktionen in das Bauteil zu integrieren
  • Es sind individuelle Anpassungen erforderlich

Die Hauptkennzeichen: Es wird das Design geändert, die Bauteile werden besser. Und wenn weniger Gewicht niedrigere Lifecycle-Ksoten bedeuten, dann ist es sicherlich einfach, die höheren Bauteilkosten umzulegen.

Oder ich kann bei Prothesen durch Individualität punkten: Für jeden die richtige Prothese.

Aber: Ohne Umkonstruktion heute keine Einsparung – D.h. jeder Konstrukteur muss lernen, was es bedeutet, 3D Druck-gerechte Teile zu konstruieren.

Erforderliche Entwicklungen bei den 3D-Druckern aus Anwendersicht

Die 3D Drucker benötigen massive Starthilfe, um besser zu werden.

Die Hersteller sollten an folgenden Punkten arbeiten

  • Reduzierung der Materialkosten um 70% oder mehr
  • Reduzierung der Maschinenlaufzeiten um mindestens zwei Drittel
  • Maschinen mit kleineren Strukturgrößen, um genauere Teile zu fertigen
  • Maschinen mit niedrigerem Invest, also mindestens ein Drittel niedrigere Anschaffungskosten

Eine Maschine, die alle 4 Punkte erfüllt, könnte disruptiv genannt werden. Denn diese wird das Versprechen der 3D Druck-Möglichkeiten für eine größere Anwendungsbasis erschließen. Die Produkte können billiger und damit besser werden. Mit billigeren Produkten steigen die Stückzahlen der Maschinen und des Materialverbrauchs. In Summe führt das zu einer Kostendegression, die in den nächsten Zeit mehr als erforderlich wird.

Was ist für ein typisches Unternehmen zu tun?

Im Moment ist das Wichtigste: Abwarten. Dann aber den Markt verfolgen, ob nicht neue interessante Maschinenkonzepte entstehen. Vielleicht lohnt es sich auch, eine erste Maschine für die Entwicklung zum Erfahrung sammeln zur Verfügung zu stellen. Dann wird schnell klar, was die Technik kann oder können muss, um erfolgreich genutzt zu werden.

Textilindustrie läutet Wende in Global Supply Chain Management ein

Die Textilindustrie ist in vielen Bereichen ein Vorreiter der Globalisierung. Die hohe und frühe Mechanisierung sowie die steigende Automatisierung führen bei der Stofferzeugung und bei der Erzeugung von Grundmaterialien zu einer einfachen Verlagerung. Bei dem hohen Lohnkostenanteil beim Zusammennähen ist die Montage noch mehr personalkostengetrieben aber auch dieser Bereich ist leicht anzulernen.

In der Folge werden Textilien überall gerne dort produziert, wo die Lohnkosten am niedrigsten sind. In verschiedenen Auswertungen stellen Fachleute fest, dass vom Feld bis zur fertigen Hose das Material vor dem Verkauf schon mehrfach die Erde bei den Transporten zwischen den Wertschöpfungsstufen umrundet hat. In der Folge ist die Textilindustrie in einer kostenoptimierten Supply Chain, die aber vollkommen bewegungsunfähig wird.

Nun denkt die Textilindustrie teilweise um, neue Länder werden angestrebt, aber es gibt auch interessante neue Begründungen.
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Amazon steigt in die Zustellungslogistik ein – Kommt Same Day Delivery in Deutschland?

Amazon steigt in die Zustellung ein, wie ein Artikel im Manager Magazin aufzeigt. Nach dem Artikel will Amazon einen eigenen Zustelldienst auch in Deutschland aufbauen, wie es bereits in anderen Ländern erfolgreich umgesetzt wurde. Dafür werden bereits neue Mitarbeiter, zunächst ein Operations Manager mit Carrier Erfahrung gesucht.

Das öffnet den Spekulationen Tür und Tor:

Kommt nun die Same Day Delivery, wie bereits vor Jahren gemutmaßt? Kann mit der City Logistik für die heimliche Hauptstadt das Thema Lebensmittellogistik auch für Amazon gelöst werden. Aber warum München? Es ginge doch auch in Berlin, wo mehr Menschen leben? Oder sitzt in München das Geld lockerer oder wird dort mehr gearbeitet oder sind die Bürger dort experimentierfreudiger?

Ich vermute, es werden erste Erfahrungen in wenigen Großstädten gesammelt, bevor man das Konzept ausbaut. Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet sind gute Ziele für eine Tagesbelieferung.

Eine Änderung im Bereich Zustellung wird große Wellen schlagen. Wenn ein derart großer Account bei den großen Zustellern verloren geht, dann ist sicherlich viel Bewegung im Markt zu erwarten.

Wir können nur abwarten, was passiert. Das etwas passiert, ist klar, die Auswirkungen können umfangreich sein. Was wird uns erwarten?

Oder hat man bei Amazon nur die eigenen Inhalte gelesen?
City Logistics: Mapping The Future

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