Komplexe Prozesse digitalisieren

Keep it simple and smart – Die höchste Herausforderung in der Prozessdigitalisierung ist die Beherrschung der Komplexität. Nicht alle Prozessausführung sind Standardausführungen, in vielen Fällen muss vom Standard abgewichen werden und eine Sonderbehandlung ist erforderlich. Viele Prozesse betreffen Sonderfälle und hier gilt es, die Digitalisierung

Sonderfälle digitalisieren?

Müssen Sonderfälle in Prozessen digitalisiert werden? Ja und nein, lautet hier die korrekte Antwort aus meiner Sicht.

  • NEIN: Wenn ein neuer Prozess digitalisiert werden soll, dann sollten zunächst die Standardfälle betrachtet werden und diese Fälle in eine Digitalisierung überführt werden. Die 80/20 Regel, d.h. 80% der Fälle können mit 20% des Aufwandes erreicht werden, gilt auch gerne bei der Prozessdigitalisierung. Wenn ich 80% der Fälle erreicht habe, habe ich 20% des Aufwands gehabt, für die restlichen Fälle steigt der Aufwand exponential.
  • JA: Wenn die Standardfälle digitalisiert sind und ein Teil der Sonderfälle sich einfach digitalisieren lassen, dann können diese Sonderfälle auch digitalisiert werden.

Die meisten Sonderfälle sollten nicht digitalisiert werden, weil der Aufwand für die Digitalisierung zu hoch ist.

Was tun mit den Sonderfällen und der Digitalisierung?

Wenn es Sonderfälle gibt, dann ist das Hauptanliegen den Aufwand für die Sonderfälle und im Prinzip jedwede Komplexität zu reduzieren. Warum tritt der Sonderfall auf? Wie kann der Sonderfall in einen Standardfall transformiert werden? Was ist die Besonderheit? Ist die Besonderheit relevant? So gibt es in vielen produzierenden Unternehmen die sogenannten Chef-Aufträge. Hier gibt es eine höhere Priorität als bei anderen Aufträgen. Wie kann ich das digitalisieren? Meine Antwort: Am besten gar nicht. Hier wäre die Ursache zu ermitteln und die ist in diesem Fall sehr klar: Der Prozess erreicht die vom Kunden gewünschte Leistung nicht, und die Chefpriorisierung führt zu einer Abweichung vom Prozess. Die Aufgabe wäre hier: Erst den Prozess so zu gestalten, dass die Standardleistung die Anforderungen der Kunden erfüllt. Wenn diese Leistung erfüllt ist, wird auch kein Chefauftrag benötigt und dieser muss nicht digitalisiert werden.

Merke: Nachdenken geht immer noch über Digitalisieren

Es muss nicht jede Sonderlocke eines Prozesses digitalisiert werden. Der Prozess muss so gestaltet werden, dass der Prozess die Anforderungen der Kunden erfüllt. Dann kann er digitalisiert werden. Je weiter der Prozess von der Erfüllung der Kundenanforderungen entfernt ist, desto eher gilt:

  • Erst systematisieren, dann digtalisieren

Je weniger Komplexität im Prozess, desto einfacher und schneller die Digitalisierung.

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Open Source für Supply Chain Prozesse

Open Source, also quelloffene Software, ist in aller Munde. Aber gibt es qualifizierte Open Source Tools für die Supply Chain?

Enterprise Resource Planning – ERP

Im Bereich ERP gibt es inzwischen eine Vielzahl von Open Source Lösungen

Inzwischen sind zahlreiche Projekte aus anderen Projekten hervorgegangen (z.B. Odoo aus OpenERP, das wiederum aus TinyERP, Adempiere aus Compiler), so dass die Produkte  mit vielen Entwicklungsschritten sich deutlich weiterentwickelt haben. Die Standard-Geschäftsprozesse Auftragsabwicklung, Einkauf, Produktion, Lager, Versand beherrschen die Produkte allesamt, so dass es immer eine Abwägung gibt, ob die eigenen Prozessen so speziell sind, dass für diese eine Anpassung erforderlich ist. Für einfach aufgebaute Supply Chain, z.T. auch mit der Integration von Webshops, bieten diese Produkte alle Grundfunktionalitäten an.

Wie auch andere kommerzielle Systeme arbeiten die Systeme typischerweise mit einer Planung gegen unbegrenzte Kapazitäten, also einer sehr einfachen Produktionssteuerung.

Supply Chain Planung

Auch für die Supply Chain Planung – englisch häufig mit Advanced Planning and Scheduling bezeichnet – gibt es Open Source Angebote. Ein häufig genanntes Werkzeug ist frePPLe. Dieses Tools bietet folgende Funktionen an:

  • Vertriebsplanung
  • Bestandsplanung
  • Produktionsplanung

Integriert mit Open Source ERP-Systemen (z.B. openbravo oder Odoo) kann frePPLe Daten aus den Systemen übernehmen, Planungen mit verschiedenen Szenarien durchführen und die Ergebnisse an das ERP-System übergeben. So ist mit der Produktionsplanung eine Planung mit begrenzten Kapazitäten möglich, die unter Berücksichtigung von Material, Kapazität und Durchlaufzeiten machbare Produktionspläne entwickelt.

Fazit

Die Systeme sind vorhanden, die Planung mit begrenzten Kapazitäten sind verfügbar. Dennoch bleiben viele Aufgaben offen: Stammdaten anlegen, Prozesse definieren, Mitarbeiter schulen. Aber mit diesen Systemen können die erste Schritte zur Ablösung von Excel- und nicht funktionierenden Produktionsplanungssystem umgesetzt werden.

 

Lagerbestandskosten und Lieferfähigkeit – Ist es wirklich ein Dilemma?

Es ist immer wieder erstaunlich, dass ein klassisches Dilemma

Wenn die Bestandskosten steigen, geht die Lieferfähigkeit nach oben.

Wenn die Bestandskosten gesenkt werden, geht die Lieferfähigkeit nach unten.

sich als fehlerhaft herausstellt.

Definitionen

Die Lieferfähigkeit wird in der Regel definiert, wieviele Aufträge oder Auftragspositionen der Kunden in der vom Kunden gewünschten Lieferzeit beliefert werden können. D.h. Kunden fragen eine Lieferung in 48 h an und das Unternehmen kann die Lieferungen in 48 h durchgängig bestätigen und einhalten.

Lagerbestandskosten sind die Summe aller Bestandswerte, die sich pro Material als Lagerbestand mal Materialkosten ergeben.

Theoretische Ansätze zur Bestandskostensenkung

Bestandskosten können gesenkt werden, wenn die Lagermenge oder der Wert je Material gesenkt werden können.

Daraus ergeben sich vier Potenziale

  • Wert je Material senken.

Wenn Produkte günstiger eingekauft oder hergestellt werden können, sinkt der Lagerbestandswert.

  • Anzahl Lagerstufen senken.

Wenn Produkte produziert werden, können die Lagerbestandskosten gesenkt werden, wenn eine Lagerstife eliminiert wird. Wenn nicht mehr die Endprodukte, sondern nur die Vorstufen oder die Vormaterialien gelagert werden, sinken die Bestandskosten.

  • Lagermenge senken

Wenn die Lagerbestandsmenge je Material sinkt, dann sinkt der Lagerbestandswert

  • Lagerbestandshöhe in die Verantwortung eines anderen legen

Durch Konsignationslager oder ähnliche Ansätze können die Lagerbestandswerte „outgesourct“ werden, wenn der Lieferant damit einverstanden ist.

Supply Chain Ansätze und Lagerbestandskosten

Da das Supply Chain Management ursprünglich erfunden wurde, um Bestandswerte zu senken, ist es nicht verwunderlich, dass bei erfolgreichen Supply Chain Veränderungen massive Bestandseinsparungen folgen.

Neben dem Konsignationslager, das aber die Lagerbestandskosten in der Summe der Supply Chain in der Regel nicht senkt. gehen viele Ansätze zur Bestandsreduzierung darum, die Ursachen zu verändern.

Zunächst kann die Disposition der Teile geändert werden. In den ERP-Systemen werden unterschiedliche Optimierungsmöglichkeiten geboten, die aber nicht systemunterstützt möglich sind. Andere Dispositionseinstellungen bewirken sofort eine Veränderung der Bestände, wenn das Material gängig ist.

Die zweite große Hebelachse ist Zeit. Wenn z.B. die Auffüllzeit (Wiederbeschaffungszeit, Eigenfertigungszeit) reduziert wird, kann die Lagerbestandsmenge reduziert werden, da der Mindestbestellpunkt sich verschiebt. Je kürzer die Auffüllzeit, desto niedriger der Bestand. Bei einer Auffüllzeit von wenigen Stunden für typische Liefermengen könnte der Bestand fast komplett eliminiert werden.

Je nach Reduzierungsansatz können ganze Lagerstufen entfallen. Wenn ein Unternehmen statt einer verrichtungsorientierten Werkstattfertigung in eine objektorientierte Fließfertigung oder gar zum One-Piece-Flow wechselt, entfallen viele Puffer (sprich Lager) und der Gesamtbestand reduziert sich. Je kürzer die Auffüllest, desto geringer der Bestand.

Diskussion

Neben den theoretischen Ansätzen hat das Lager auch eine praktische Auswirkung. Jeder Dispositionsfehler, jede Auftragsstornierung und viele andere Einflüsse führen dazu, dass nicht jedes Material nur in der optimalen Menge bevorratet wird. Das Lager ist auch ein Abbild von allen Fehlern in der Supply Chain in der Vergangenheit.

Im Klartext: Wenn kein Bedarf mehr da oder der Bedarf stark sinkt, liegt das Material trotzdem im Lager.

Die Bestandshöhe bei den meisten Unternehmen wird nicht über die Disposition sondern eher über die Fehldispositionen der Vergangenheit definiert. Die Ware, die benötigt wird, ist in zu kleinen Mengen auf Lager, die Ware die nicht mehr benötigt wurde, ist in zu großen Mengen auf Lager. Kurzum, die Lagerstruktur ist falsch.

Aus Benchmarkstudien aus der Vergangenheit ergab sich immer, dass Liefertreue (oder Lieferfähigkeit) nicht mit der Bestandshöhe korrelieren. Die Bestandshöhe hat keinen Einfluss auf diese Größen, es gibt Unternehmen mit niedrigem Lagerbestand und hoher Liefertreue aber auch Unternehmen mit hohem Lagerbestand und hoher Liefertreue.

Die einzige Größe, die mit der Bestandshöhe korreliert, ist die Reaktionsgeschwindigkeit. Je schneller die Supply Chain reagieren kann, desto geringer die Bestände. Und je schneller die Supply Chain reagieren kann, desto weniger Lagerstufen werden benötigt.

Digitale Prozesse

digitale_prozesse

Kein Fachzeitschrift lässt heute das Wort Digitalisierung links liegen, und nun stehen die digitalen Prozesse im Vordergrund. Was sind diese digitale Prozesse?

Hier zunächst eine Definition: Ein digitaler Prozess ist ein Geschäftsprozess, der möglichst ohne Eingriff eines Menschen vollständig abläuft.

D.h. es geht um die rechnergestützte Abläufe, die typischerweise mit einem Ereignis beginnen und zu einem geplanten Ergebnis führen. Ein digitaler Kundenauftragsabwicklungsprozess beginnt mit einem Kundenauftrag, der ohne menschliches Eingreifen zu einer Auftragsbestätigung und dann zu einer Lieferung führen.

Geschäftsprozesse sind schlechte ausgeführte Computerprogramme

Das Zitat in Anlehnung an Hans-Christian Boos, Arago GmbH, ist eine Aufruf: Überprüfen Sie Ihre Prozesse, wie weit diese sich tatsächlich in einen Algorithmus überführen lassen.

Was ist zu tun für digitale Prozesse?

Für digitale Prozesse ist ein Prozessreengineering erforderlich. Was muss ich tun, um die Aufgabe möglichst durchgehend auf einem Computer ablaufen lassen zu können.

Zunächst ist ein Zielprozess zu definieren: Wie soll der Sollablauf aussehen? Welche Schritte muss ein Programm ausführen, damit der Prozess ohne menschliches Eingreifen ablaufen kann?

Dann ist der Sollprozess so zu beschreiben, dass er als Vorlage für eine Programmierung genutzt werden kann. Dazu sind die Reihenfolge der Schritte zu beschreiben, für jeden Schritt die Eingangsgrößen und die Ausgangsgrößen. Für jeden Sonderfall sind Anweisungen zu definieren, wie mit diesem Sonderfall umgegangen werden muss.

Blockaden für digitale Prozesse

Typischerweise treten dabei verschiedene Blockaden im Ablauf auf, die einen vollständig rechnerunterstützten Prozess verhindern, z.B.:

  • Input basierend auf dem Wissen von verschiedenen Mitarbeitern erforderlich
  • Es sind Rückfragen bei Lieferanten oder anderen externen Partnern erforderlich
  • Der Sachbearbeiter muss entscheiden, welcher Sonderreglung gelten soll
  • Der Sachbearbeiter muss eine Entscheidung treffen
  • Es sind Daten aus einer Excel-Berechnung erforderlich

Für einen digitalen Prozess müssen alle Blockaden identifiziert werden und dann für jede einzelne Blockade ein Lösungsweg gefunden werden, wie diese Blockade so beseitigt werden kann, dass dieser Prozess automatisch ablaufen können.

Ein wesentlicher Ansatz dazu ist es nun, diese Teilaspekte zu strukturieren. Es sind Regeln aufzustellen, die Regeln zu strukturieren und zu dokumentieren. Viele Excel-Tools zeigen auf Algorithmen hin, die bereits erprobt sind, nur im falschen Medium enthalten sind. Falls die Regeln und Tools nicht ausreichend sind, sind alle alten Fälle möglichst auszuwerten und daraus abzuleiten, was wichtig und was unwichtig ist. Aus den Daten können mit den Methoden des maschinellen Lernens Regen abgeleitet werden. Und dann muss ein Wege definiert werden, wie aus diesen Informationen ein Algorithmus wird, der die Aufgaben dann automatisch ablaufen lassen kann.

Das Überwinden der Blockaden ist der Schlüssel zum Erfolg auf dem Weg zu digitalen Prozessen. Sehen Sie diese Blockaden als Herausforderung, fast jede Herausforderung lässt sich meistern!

Fazit

Perfektion ist der Feind jedes digitalen Prozesses. Erwarten Sie eine Verbesserung, aber kein Allheilmittel. Mit 20% des Aufwands 80% der Fälle zu digitalisieren, kann den Aufwand bei der Bearbeitung bereits deutlich reduzieren. Das kann sofort zu einer Produktivitätssteigerung genutzt werden. Anschließend kann geprüft werden, mit welchen zusätzlichen Verbesserungen die nächste Blockade überwunden werden können und weitere Veränderungen lassen sich schnellstmöglich umgesetzen.

Auch wenn damit nicht durch-digitalisierte Prozessketten entstehen, haben Sie dennoch erste gravierende Erfolge erreichen. Und mit weiteren Anstrengungen können die Prozessketten erweitert und verbessert werden, damit eine weitergehende Digitalisierung in kurzfristigen Schritten umgesetzt werden können.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, die Digitalisierung ist eher ein Marathon als ein Kurzstreckenlauf. Das Thema Digitalisierung kann in vielen kleinen Prozessschritte auch für Ihr Unternehmen viel bewegen – und wenn Sie bei der Umsetzung Hilfe benötigen, dann kontaktieren Sie BESTgroup.

 

 

 

Fünf wichtige Supply Chain Management Vorsätze für 2017

Für viele beginnt das neue Jahr 2017 mit dem Jahresabschluss 2016. Das Budget 2017 liegt vor und die Umsatzzahlen für 2017 sind definiert. Die Supply Chain wird es schon richten.

Parallel sind Sie mit guten Vorsätzen in das Jahr 2017 gestartet. Mehr Bewegung, häufiger in das Fitnessstudio, Gewicht verlieren, mehr Freund besuchen, häufiger in das Kino gehen sind vielleicht ein paar Beispiele für die Vorsätze für das neue Jahr.

Aber welche Vorsätze haben Sie sich für Ihre Supply Chain genommen? Was soll bis zum 31.12.2017 für Ihre Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten besser werden? Hier sind ein paar Vorschläge für mögliche Vorsätze für 2017:2017

Vorschlag 1: Kundenanforderungen besser erfüllen

Was sind die Kundenanforderungen an Ihre Supply Chain? Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihren Kunden über deren Anforderungen gesprochen?

  • Nutzen die Kunden Ihr ERP-System und disponieren diese Ihre Produkte über das System? Welche Lieferzeiten haben die Kunden eingestellt? Welche Liefertreue erwarten diese?
  • Liefern Sie die Investitionsgüter und Ihre Kunden wünschen kurze Lieferzeiten?
  • Sind Ihre Kunden im Bereich Automobil und fordern von Ihnen 100% Liefertreue bei einer sehr hohen Varianten- und Mengenflexibilität?

Nutzen Sie Ihr Verständnis von Ihren und Kunden und Ihrer Supply Chain, um kundenorientierte Vorsätze zu definieren. Erhöhen Sie die Liefertreue oder steigern Sie die Supply Chain Flexibilität, Ihre Kunden werden es Ihnen danken.

Vorschlag 2: Lagerbestand deutlich reduzieren

Hat Sie der Lagerbestand zum 31.12.2016 erschreckt? Was ist denn die Lagerbestandsreichweite und wie hat sich diese zum Vorjahr verändert? Aber Hand aufs Herz: Brauchen Sie tatsächlich den gesamten Lagerbestand oder ist das Lager falsch zusammengesetzt? Das Material, was gebraucht wird, ist zu wenig da und das Material, was nicht gebraucht wird, ist zu viel da? Befreien Sie sich von den überflüssigen Pfunden, machen Sie im Jahr 2017 eine Abnahmekur im Lager und reduzieren Sie die Bestandsmengen.

Vorschlag 3: ERP System besser nutzen

Nutzen Sie alle Funktionen des ERP-Systems. Oder benutzen Sie Excel oder ein anderes nicht gekoppeltes System, um die Dinge zu lösen, die im ERP-System nicht gehen? Vielleicht ist es Zeit, einen Weg zu suchen, diese Funktionalitäten in das ERP-System zu überführen. Jede Schnittstelle zwischen dem ERP-System und anderen Systemen führt zu Zeitverzögerungen und Fehlern, die Sie vermeiden können. Nehmen Sie sich vor, mindestens eine dieser Schnittstellen in diesem Jahr zu beseitigen.

Vorschlag 4: Stammdaten pflegen

Ihr ERP-System nutzt die Stammdaten, um viele Funktionen automatisch auszuführen. Sind alle Stammdaten richtig gepflegt? Sind die Wiederbeschaffungszeiten richtig gepflegt? Stimmen die Dispositionsparameter? Vielleicht machen Sie sich einen Plan für die nächsten 12 Monate und prüfen jeden Monat einen Bereich Ihrer Stammdaten: Im Januar die Dispositionsdaten, im Februar die Lieferantendaten, im März die Einkaufsinfo-Sätze usw. Jede Stunde, die Sie in Stammdaten investieren, erhalten Sie im Laufe des Jahres mehrfach zurück. Warten Sie nicht auf den Frühjahrsputz, sondern fangen Sie an.

Vorschlag 5: Supply Chain digitalisieren

Ist Ihre Supply Chain komplett digital? Herzlichen Glückwunsch! Und melden Sie sich bei mir, ich suche noch gute Beispiele für meine Kunden!

Wenn nicht, dann machen Sie die digitale Supply Chain zum Jahresmotto. Sammeln Sie Ideen, entwickeln Sie Konzepte, setzen Sie erste Schritte um. Und tauschen sich mit möglichst vielen anderen Gleichgesinnten aus. Ich möchte dieses Jahr einen Erfahrungsaustauschkreis gründen, um das Thema Digitale Supply Chain aus Anwenderperspektive zu diskutieren. Bei Interesse bitte kontaktieren Sie mich.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Supply Chain Vorsätze im Jahr 2017 einhalten?

Jedes Jahr beginnt mit guten Vorsätzen. Auch die Fitnessstudios sind im Januar voller als im Rest des Jahres. Aber ein Vorsatz umzusetzen, erfordert mehr:

  • Nehmen Sie sich nicht zu viel vor, oder sorgen Sie sich für ausreichend Supply Chain Management Unterstützung, auch von extern.
  • Schreiben Sie Ihre Vorsätze nieder und hängen diese am besten für alle sichtbar in Ihrem Büro auf!
  • Visualisieren Sie die Fortschritte – nutzen Sie eine Kennzahlengraphik, um die zeitliche Entwicklung zu dokumentieren
  • Feiern Sie Fortschritte und erste Erfolge – Rom wurde auch nicht in einem Tag erbaut.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Jahr 2017 und würde mich freuen, wenn Sie Ihre Vorsätze für dieses Jahr als Kommentar ergänzen würden.

Was ist wichtiger: Prozessoptimierung oder Digitalisierung?

DigitalisierungEiner meiner Kunden fragte mich neulich: Was ist der Zusammenhang zwischen Prozessoptimierung und Digitalisierung. Da musste ich etwas durchatmen und mir fiel spontan das Zitat des BITKOM-Präsidenten Thorsten Dirks vom IT-Gipfel 2015 in Berlin ein:

Wenn sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben sie einen scheiß digitalen Prozess

Schon Professor Walter Eversheim vom Werkzeugmaschinenlabor(WZL) der RWTH Aachen pflegte zu sagen:

Erst systematisieren, dann automatisieren.

Oder mit den Worten anderer:

Organisation vor Technik.

Während die Deutschen früher das Wort Organisation in die Bereich Aufbauorganisation und Ablauforganisation unterteilt haben, steht hinter dem englischen Begriff Organisation lediglich die Aufbauorganisation. Erst mit dem Business Process Management sind viele Bereiche der Ablauforganisation in das englische und amerikanische Managementgedankengut eingeflossen. Der Begriff ist dann als Prozessmanagement nach Deutschland zurückgekehrt und die zugehörige Optimierung in die Prozessoptimierung eingeflossen.

Digitalisierung

Man kann ja im Moment keine Fachzeitschrift aufschlagen, ohne ständig über das Wort Digitalisierung zu stolpern. Der Begriff umfasst viele Inhalte: Big Data, Industrie 4.0, Internet, um nur einige zu nennen.

Was bedeutet die Digitalisierung für die Unternehmen:

  1. Überprüfen des Geschäftsmodells (Strategische Digitalisierung)
  2. Nutzung der Digitalisierung im Unternehmen zur Optimierung (Taktische Digitalisierung)

Für das Überprüfen des Geschäftsmodells ist zu prüfen, ob das digitale Geschäftsmodell des Unternehmens in Gefahr ist. Können neue Wettbewerber mit mehr digitalem Know how die Produkte oder Dienstleistungen obsolet machen? Kann ein neues Geschäftsmodell  entstehen, z.B. Pay-per-Use, das die Grundlagen für das Unternehmen verändert?

Uber hat nicht ein einziges Taxi, revolutioniert derzeit den Taxi- oder eigentlich den Mobilitätsmarkt, AirBnB hat kein einziges Bett, aber den Übernachtungsmarkt nachhaltig verändert. Gibt es einen Marktteilnehmer, der mit einem anderen Geschäftsmodell auch Ihr Modell obsolet machen kann?  Diese strategisch relevanten Diskussionen sind ein Teil der Digitalisierung.

Der andere Teil der Digitalisierung ist taktische Ausführung: Prozesse sind zu automatisieren, die neuen Funktionen der Technik – ständige Verfügbarkeit, einfache Bedienung, Ortsinformationen – sind in die Betrachtungen der Optimierung mitaufzunehmen. Das Internet, die Cloud und Big Data sind einige Lösungen, die auch zu berücksichtigen sind.

 

Digitalisierung und Prozesse

Digitalisierung hat für mich 2 Schritte:

  1. Überprüfung der strategischen Digitalisierung
  2. Überprüfung der taktischen Digitalisierung

Die strategische Digitalisierung ist zunächst der wichtigste Schritt. Für ein neues Geschäftsmodell werden neue Prozesse erforderlich, deshalb ist es wichtig, sich über die strategische Dimension im Unternehmen einig zu sein.

Die taktische Digitalisierung ist aber nun nachrangig. Denn zunächst sind die Prozesse zu optimieren und dann zu digitalisieren. Ansonsten entstehen die oben beschriebenen Probleme, das ein nicht optimaler Prozess auch durch Digitalisierung nicht besser wird.

Fazit

Somit ergibt sich für mich folgender Ablauf für das Thema digitale Prozesse.

  1. Strategische Digitalisierung
  2. Prozessoptimierung
  3. Taktische Digitalisierung

Solange das bestehende Geschäftsmodell durch die Digitalisierung nicht in Gefahr ist, ist die Prozessoptimierung wichtiger als die Digitalisierung. Die Digitalisierung wird aber weiterhin wichtiger werden, da digitale Prozesse höhere Effizienzen ermöglichen. Allerdings erfordert die taktische Digitalisierung sehr viel mehr Fachwissen als das Entwickeln von neuen Geschäftsmodellen,  weshalb Standardlösungen in diesem Bereich schwieriger werden kann.

Der nächste Blogbeitrag wird sich mit der Prozessoptimierung und der taktischen Digitalisierung detaillierter beschäftigen.

Gute Supply Chain Vorsätze 2016

Ein neues Jahr! Und haben Sie schon neue Vorsätze für die Supply Chain 2016 gefasst?

Hier sind meine Top 3 Vorschläge für die Vorsätze für dieses Jahr:

Lieferzeit halbieren

Mit kürzeren Lieferzeiten können Sie Ihren Wettbewerber erhebliche Probleme bereiten. Zeit ist Geld, besser gesagt Umsatz, und in vielen Bereichen führen kürzere Lieferzeiten zu mehr Umsatz. Prüfen Sie alle Bereiche, von der Auftragsannahme bis zur Lieferung, einschließlich des Transports. Wenn Amazon nun in Deutschlang mit dem Same-Day-Delivery-Konzept beginnen kann, zeigt das, wie wichtig die Zeitkomponente geworden ist.

Bestände um ein Drittel reduzieren

Bestände sind immer im Fokus. Nur gut funktionierende Supply Chains haben geringe Bestände, da Bestände typischerweise das Spiegelbild der Fehler der Prozesse und der Vergangenheit sind. Zu viel eingekauft, weil der Mindestbestellwert zu hoch war. Die Produktion hat zuviel geliefert, weil die Maschine so gut lief. Die Planung war falsch, und wieder waren Produkte im Lager. Falsche Prozesse führen auch zu vielen Beständen. Nur eine radikale Neubewertung führt zu einer substantiellen Bestandsreduzierung. Und es geht nicht um die Höhe der Abwertung, sondern um die Reduzierung der Bestandsmengen – dann geht der Bestandswert von alleine nach unten…

Liefertreue erhöhen

Die Liefertreue ist eine wichtige Bewertung der Prozesszuverlässigkeit Ihrer Supply Chain. Jeder Prozentpunkt Verbesserung kann eine deutliche Bestätigung von Prozessverbesserungen sein. Diese Kennzahl ist genauso wichtig wie die Lieferzeit und ist für die Kunden extrem wichtig. Sie definiert, wie groß das Vertrauen Ihres Kunden wird.

Vorsätze umsetzen

Was müssen Sie tun, um die Vorsätze umzusetzen? Fokus mach fit, wie es so schön heißt. Viele dieser Ansätze sind radikaler, als Sie es sich wünschen. Eventuell können Sie dazu ein paar externe Augen zur Diagnose oder Umsetzungsunterstützung gebrauchen? Melden Sie sich, z.B. bei der BESTgroup….